Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 8. (1955)

AUER, Erwin M.: Erbritterwürde und Inkompatibilität im Deutschen Ritterorden

36 Erwin M. Auer und Franz Emmerich der gleichen Familie vermutlich 1719 um die Er­hebung in den Grafenstand ansuchen, weisen sie darauf hin, daß auch ex hijstorijs Bekamt, daß der erste Teutsch Ordens Meister Henricus Einer von Waltbott oder denen Flandrischen sogenanden forestarien geweßen sei4). Das kaiserliche Grafendiplom knüpft an dieses Verdienst an, wenn es ausführt, daß Henricus von Waltbott zu Bassenheim von Kayßer Fride- rich im Jahre 1191 im lager bey ptolomaida Zum ersten Teutschen Meister des Ritterlichen Teutschen Ordens ernennet und investiret worden, wel­chem löblichen Beyspiel zu folgen sich euserst befließen, Conradus Teut- schen-ordens- und Joannes Maltheser ordens Ritter, doch jener unter Sifrido von Feuchtwangen dem 12ten teutschen Ordens Meister in Pommern sich heldenmüthig Verhalten und in der Belagerung vor Succa im Jahre 1310. diser aber im Jahre 1606. gegen die Türckhen zu Wasßer commendirent geblieben 5). Weiters erwähnt das Diplom aus der späteren Geschichte des Geschlechts, daß der Gesuchswerber Franz Emmerich seinen Sohn Casimir Maltheser Ordens Rittern aber alß Haubtmann in Unserer Dienste über­geben hat 6). Das hohe Ansehen, dessen sich unter anderen auch der Deutsche Ritter­orden bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfreute, darf jedoch nicht über den Wandel in der inneren Struktur der geistlichen Ritterorden hinweg­sehen lassen, der sich im gleichen Jahrhundert anbahnt und unaufhaltbar fortschreitet, bis er für den Deutschen Orden mit den Jahren 1923 und 1929 ein vorläufiges Ende und einen neuen Beginn findet. Aufschlußreich dokumentiert sich dieser Strukturwandel beispielsweise in der 1764 er­folgten Gewährung der Erbritterwürde des Deutschen Ritterordens an die Grafen Waldbott von Bassenheim7) und in der damit verknüpften Nach­sicht der Inkompatibilität. Ihrer Untersuchung soll die nachfolgende Studie dienen. 4) Ebenda, Grafen-Diplom für Fh. Waldbott von Bassenheim, Gesuch um die Erhebung in den Grafenstand, s.l.e.d., Orig, (ebenda, fol. 13v). 5) Ebenda, Grafen-Diplom, Laxenburg 1720 Mai 23, Konz., fol. 2v. 6) Ebenda, fol. 4v. 7) Vgl. hiezu die kurzen, z. T. unrichtigen Notizen bei W. E. J. Baron de Wal, Recherches sur l’ancienne constitution de l’ordre teutonique et sur ses usages etc. Mergentheim 1807. Bd. 2, S. 238. — B. Dudik, Des hohen deutschen Ritterordens Münzsammlung in Wien. Wien 1858. S. 69 f., Anm. 3. — J. Voigt, Geschichte des Deutschen Ritter-Ordens in seinen zwölf Baileien in Deutschland. Berlin 1859. Bd. 2, S. 501. — A. B. E. von der Oelsnitz, Herkunft und Wappen der Hoch­meister des Deutschen Ordens 1198—1525, in: Einzelschriften d. Hist. Komm. f. ost- u. westpreuß. Landesforschung. Königsberg 1926. Heft 1, S. 44, Anm. 18 (vgl. unten Anm. 189). — H. C. Zeininger, L’hérédité dans les ordres de cheva- lerie, in: Rivista dei Collegio Araldico. Roma 1937. Anno 35, pag. 375 u. Anm. 1 (vgl. unten Anm. 201). — Ottfried Neubecker, Ordensritterliche Heraldik, in: D. Herold f. Geschlechter-, Wappen- u. Siegelkunde. Görlitz 1940. Bd. 1, S. 154 f.

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