Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

WINKELBAUER, Walter Franz: Kaiser Maximilian I. und St. Georg

526 Walter Winkelbauer gezogen worden, als Bestärkung in der von ihm zu erfüllenden Aufgabe, wie er es auch in seiner lateinischen Selbstbiographie betont7). Man hatte also bei der Namensgebung des Knaben ganz deutlich ein Programm im Auge, nämlich den Türkenkampf — alle drei Namen ver­raten hierin die gleiche Devise — und dieses Programm machte sich Maximilian später ganz zu eigen, so daß fast alle spätere Tätigkeit des Herrschers unter der Devise des hl. Georg, oder unter Gebrauch seines Namens, sich irgendwie auf seine Sendung des Befreiers Europas von der Türkengefahr bezog. Eine weitere Vertiefung des Georgskultes erfuhr der Knabe sicherlich durch das Beispiel seines kaiserlichen Vaters, sowie durch zwei bemerkens­werte Ereignisse, die während seiner ersten zehn Lebensjahre eintraten und gewiß auf das lebhafte Gemüt des Prinzen ihren Eindruck nicht verfehlten: Das erste war die Belagerung des Kaisers mit seiner ganzen Familie in der Wiener Burg im Oktober/November 1462 durch die Bürger Wiens8). Die Not stieg immer mehr, die Lebensmittel wurden knapp, so daß sogar der dreijährige Prinz am eigenen Leibe den Mangel kennenlernte, die Aus­sicht auf Entsatz durch den Böhmenkönig schien unsicher — da gelobte der Kaiser bei glücklicher Abwendung der Gefahr in Wien ein Bistum zu gründen und einen Ritterorden vom hl. Georg zur Bekämpfung der Türken nach dem Vorbild der Johanniter und Templer zu er­richten 9). Dem Böhmenkönig glückte dann doch der Entsatz des Kaisers, und anläßlich der ebenfalls gelobten Romreise im Jahre 1468 erfolgte nun das zweite für Maximilian bestimmende Ereignis, nämlich die Gründung des erwähnten St. Georg-Ritterordens. Denn war der neunjährige Knabe auch nicht mit in Rom, so hatte er sicher im Kreise der Familie schon seit längerer Zeit die Bemühungen seines Vaters um das Zustandekommen des Ordens miterlebt. Dabei wird auch die markante Gestalt des zum späteren Hochmeister des neuen Ordens ausersehenen kaiserlichen Küchenmeisters und Hauptmanns der Burgen Eisenstadt und Forchtenstein, Johann Sieben- hirter, ihren Eindruck auf den Knaben nicht verfehlt haben. Siebenhirter hatte mit der kaiserlichen Familie die bitteren Stunden während der Be­7) Lat. Autobiogr. Maxim., hrsg. von Alwin Schulz, a. a. O., S. 421 ff.; S.423: „Dictus vicerex Bosne tenuit propositum nominandi eum Maximilianum, viso eo quod sanctus Maximilianus, nam imperator ex devotione, quam habeat, eum Georgium nominare et e converso imperatrix eum Constantinum, tanquam recu­peratorem regni Constantinopolitani, quod illis tunc (?) diebus ac Tureis occu­patum fuerat atque abstractum Christianis, animum et cor ad hoc sibi movit.“ 8) S. A. Huber, Geschichte Österreichs, Bd. 3, S. 166 ff. 9) S. Carinthia 1825, S. 98; Heinrich Hermann, Handbuch der Geschichte d. Herzogtums Kärnten II/l, S. 413; J. v. Bergmann, Der St. Georgsritterorden, Mitteil. d. Centr. Commission XIII, S. 169.

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