Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

WINKELBAUER, Walter Franz: Kaiser Maximilian I. und St. Georg

524 Walter Winkelbauer war er Patron der Kreuzritter. Darüber hinaus blühte die Georgsverehrung im Mittelalter besonders in England uind Deutschland ganz allgemein, da der Heilige auf besonders glückliche Art kriegerischen Ruhm und christ­liches Heldentum verband und sich so als heroisches Vorbild für alle Stände eignete. So wurde Georg nun von Rittern und Reitern, Schützen und Waffenschmieden, Soldaten und Wanderern und besonders auch von Bauern, namentlich um ihres Besitzes und der Pferde willen, als Schutzherr angesehen. Die ikoinographisehe Darstellung des hl. Georg ist ja allgemein bekannt, ein, meist jugendlicher, Held in der jeweils gebräuchlichen Ritterrüstung der Zeit, zu Pferd, den Drachen unter sich mit dem Schwert oder dem Speer tötend. Dazu kommt sehr oft auf Panzer, Waffenrock oder Schild des Helden, oder auch an der Fahne des Lanzenschaftes, das sogenannte Georgs­kreuz, das ebenfalls bereits in der byzantinischen Kunst vorkommt. Auf farbigen Darstellungen ist das Streitroß meist ein Schimmel, das Kreuz immer von roter Farbe 3). Im späteren 14. Jahrhundert war der Heilige — wohl mitveranlaßt durch das immer beunruhigender werdende Auftreten der Türken —- in die Schar der Nothelfer aufgenommen worden. Seine Verehrung wurde demnach in immer steigendem Maße volkstümlich, bis sie im 15. und frühen 16. Jahrhundert den Höhepunkt erreicht hatte, der sich auch in der Zahl der Darstellungen bekundete. Jedenfalls war die wachsende, das ganze 15. und 16. Jahrhundert andauernde Türkengefahr der Verbreitung des Georgskultes recht günstig. In diesen Zusammenhang gehört nun auch die Verehrung, die Kaiser Maximilian I. dem hl. Georg darbrachte. Denn alle Taten, die der Kaiser irgendwie im Namen oder zur Verehrung des hl. Georg vollbrachte oder die auf welche Weise immer unter Verwendung des Namens des Heiligen getan wurden, finden ihre Erklärung in der Tatsache, daß eben seit Jahr­hunderten der hl. Georg der Patron für alle Arten des Glaubenskampfes gegen den Islam war. Die Verbindung Maximilians I. mit dem hl. Georg beginnt bereits mit der Geburt des kleinen Kaisersohnes am 22. März 1459 in der Burg zu Wiener Neustadt. Die Taufzeremonie erfolgte nämlich in der Burgkirche, habe mit Hilfe Gottes das Land Palästina erobert. — Schon beim ersten Kreuzzug war er als Patron der christlichen Ritter bezeugt, s. C. Erdmann, Das Werden des Kreuzzugsgedankens, S. 257 ff. ®) S. die Darstellungen des hl. Georg in Erz von Georg und Martin von Klausenburg in der Prager Burg vom J. 1373; in Marmor von Donatello am Or San Michele in Florenz; die Holzstatue des Simon Leinberger am Hochaltar der Georgskirche in Nördlingen (letztere beide mit dem Kreuz am Schild); den Heiligen als Patron der Kreuzritter am Freiburger Münsterturm und andere; s. a. die Miniatur im Gebetbuch des Bruders des Kaisers Friedrich III., Herzog Albrecht VI., Codex 2722, Nat.-Bibl. Wien, f. 18 v.

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