Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
SANTIFALLER, Bertha – SANTIFALLER, Leo: Urkundenregesten der Archive Ladiniens bis zum Jahre 1500
Urkundenregesten der Archive Ladiniens bis zum Jahre 1500. Von Bertha und Leo Santifaller (Wien). Vorbemerkung. Im folgenden werden die Urkundenregesten der Archive Ladiniens bis zum Jahre 1500 veröffentlicht. Ladinien umfaßt ein sehr ausgedehntes Gebiet. Wir beschränken uns hier auf die Archive der zentralen, von der Sellagruppe ausgehenden drei Dolomitentäler, das Gadertal, Buchenstein und Groden. Das vierte von der Sella ausgehende Dolomitental Fassa hätten wir gerne ebenfalls bearbeitet und das umsomehr, als es mit den drei übrigen Dolomitentälern bis zum Jahre 1818 zur Diözese Brixen gehörte und daher diese vier Täler in kultureller Hinsicht bis dahin eine gewisse Einheit bildeten. Wohl gelang es uns mit Hilfe kirchlicher Empfehlungen im September 1937 in das Kirchenarchiv von Vigo di Fassa zu gelangen. Es war damals in einem geräumigen, hellen Zimmer untergebracht und erschien rein äußerlich wohlgeordnet; der anwesende Kooperator — der Dekan, an den wir besonders empfohlen waren, war verreist — kam uns sehr freundlich entgegen, aber mittelalterliche Urkunden vermochten wir nicht aufzufinden; ob „viele alte Urkunden“ der Pfarre St .Johann in Vigo, wie Karl Felix Wolff in seiner Monographie der Dolomitenstraße (1908) S. 290 berichtet, tatsächlich in den vorbeifließenden Avisio geworfen wurden, vermochten wir nicht festzustellen. Jedenfalls mußten wir unverrichteter Dinge abziehen und müssen daher auf die Urkundenregesten von Fassa verzichten. Die Urkundenregesten der nicht unbedeutenden Archive von Ampezzo haben wir nicht bearbeitet, weil dieser Teil Ladiniens erst im Jahre 1515 zu Tirol und erst 1787 zur Diözese Brixen gekommen ist. Von den in den drei genannten Dolomitentälern Gader, Buchenstein und Gröden befindlichen Archiven waren uns mit ganz wenigen Ausnahmen alle zugänglich. Nicht besuchen konnten wir das Gemeindearchiv Abtei; das Kirchenarchiv und das Gemeindearchiv von Buchenstein (Pieve di Livinallongo) sind im ersten Weltkrieg zugrundegegangen; nicht zugänglich war uns das Kirchenarchiv von St. Jakob im Walde oberhalb St. Ulrich in Gröden; Thea Oschinsky hat noch im Jahre 1932 das Urbar dieser Kirche vom Jahre 1487 photographiert (herausgegeben im Bozner Jahrbuch 1934, S. 261—284), aber als wir im Jahre 1937 die Urkunden photographieren wollten, erklärte der Mesner, ein Archiv gäbe es nicht.