Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)
GUTKAS, Karl: Ein niederösterreichisches Herrschaftsurbar aus dem 14. Jahrhundert
Ein niederösterreichisches Herrschaftsurbar aus dem 14. Jahrhundert. Von Karl Gutkas (St. Pölten). Urbare weltlicher Herrschaften aus dem 14. Jahrhundert sind in Niederöster reich nur wenige erhalten. Neben einem Urbar der Grafschaft Litschau aus dem Jahre 1369, dem aber eine Vorlage aus dem Ende des 13. Jahrhunderts zu Grunde liegt, sind noch ein Verzeichnis der Besitzungen des Grafen Burghard II. von Maidburg-Hardegg aus dem Jahre 1363 und ein Urbarindex der Herrschaft Meissau aus den Jahren 1380/1 bekannt 1). Umso begrüßenswerter ist es, daß Herr Univ.-Doz. Dr. Josef Wodka, der Leiter des Diözesanarchives in St. Pölten, in der Bibliothek des Sankt Pöltner Bischof es Josef Feßler ein Konvolut von 27 Pergamenturkunden und einer Handschrift finden konnte, deren Einband die von einer Hand des 17. Jahrhunderts herrührende Aufschrift trägt „Uraltes Urbárium, über Oxenburgerische Zuegehorung de anno 137k“. Für die Überlassung des gefundenen Materiales zur Bearbeitung sei dem Finder an dieser Stelle gedankt. Dieses Urbar der Herrschaft Ochsenburg (bei St. Pölten) hat nämlich umso größeren Wert, als es nicht nur das einzige bisher bekannte Urbar einer weltlichen Grundherrschaft aus dem südlichen Landesteile Niederösterreichs ist, das aus dem 14. Jahrhundert stammt, sondern das älteste eines Teilbesitzes eines Ministerialengeschlechtes in Niederösterreich überhaupt. Die Herrschaft Ochsenburg ist hervorgegangen aus den Besitzungen eines steirischen Ministerialen des 12. Jahrhunderts. Die Gegend um Ochsenburg gehörte nämlich noch zu dem Gebiet, das Markgraf Otakar II. von Steier um das Jahr 1085 anläßlich seiner Heirat mit Elisabeth von Babenberg von seinem Schwiegervater Leopold II. von Österreich erhalten O Das Urbar der Grafschaft Litschau ist gedruckt im Notizenbl. d. Alt. d. Wissenschaft. Ill S. 255 ff., eine Neubearbeitung wie auch die Edition des Urbares des Grafen Burghard von Hardegg, das ein Drittel der Besitzungen der Grafen von Hardegg verzeichnet, liegt druckfertig vor und soll in der von der Ak. d. Wissenschaften herausgegebenen Urbarreihe (IV. Abt. Bd. 1) erscheinen. Der Meissauer Index ist ed. in Not.Bl. Ill S. 97 ff.; vgl. K. Lechner, Be- siedlungsgesch. d. Waldviertels in E. Stepan, Das Waldviertel VII/2 S. 152; alle drei Handschriften liegen im n.-ö. Landesarchiv.