Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)

WEINZIERL-FISCHER, Erika: Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. (1804–1835)

244 Erika Weinzierl-Fischer Tätigkeit, das Mißtrauen des hlg. Stuhles zu überwinden, der schließlich seine Nominierung zum Erzbischof vom Salzburg mit Freude begrüßte30!. Und gerade ein Roman Sebastian Zängerle, der „Canisius der Steiermark“ 31), der so sehr der katholischen Restaurationsbewegung angehörte, sah Staat und Kirche in einer Linie32), wie die häufige Verwendung des Begriff­paares „Thron und Altar“, des Schlagwortes der politischen Restaura­tion33), in seinen Berichten beweist34). Auch Jakob Frint35), der Gründer und Leiter des höheren Bildungsinstitutes für Weltpriester, und der Wiener Erzbischof Firmian36), bei den „aufgeklärten“ Zeitgenossen als Zeloten und „Ultras“ verschrien37), äußerten manchmal vom Geist des Josephinismus geprägte Meinungen38). Das „Frintaneum“ wurde sogar wegen seiner anfänglichen zu engen Verbindung mit der Staatsgewalt von katholischer Seite angegriffen39). Trotzdem kann man aber auf Gruind der vorliegenden Berichte das von Ignaz Beidtel im Jahre 1849 über die Bischöfe der franziszeischen Ära im allgemeinen gefällte negative Urteil40) keineswegs bestätigen. Mag die „Hofgunst“ 41) auch nur „gemäßigte“ Männer gewählt haben, Religions­eifer kann den meisten von ihnen nicht abgesprochen werden42). Ferner ist es leicht zu beweisen, daß von den Bischöfen etliche Mißstände sehr offenherzig gerügt wurden und daß diese Stimmen auch „vor den Thron“ kamen43). Kaiser Franz, der die Visitationsberichte in seinem Handarchiv verwahrte, zu dem alle Schriftstücke gehörten, die er stets greifbar haben 30) Hubert Bastgen, Die Neuerriehtung der Bistümer in Österreich nach der Säkularisation, Wien 1914, S. 231. 31) G. Wintersberger, Roman Sebastian Zängerle, Innsbruck 1938 und Aus Archiv und Chronik 1, 1948, Heft 3. 32) Borodajkewycz, a. a. 0., S. 306. 33) Ebendort S. 207. 34) 1826 XII—1832 II 22, K.F.A. 237/76/4—12. 3ä) Michael Buchberger, Lexikon für Theologie und Kirche 4, 19322, S. 205. 36) Wurzbach, a. a. O., 4, 1858, S. 234 f. 37) Friedrich Anton von Schönholz, Traditionen zur Charakteristik Österreichs, seines Staats- und Volkslebens unter Franz I., ed. Gustav Gugitz, 2, München 1914, S. 235 und 237 f. 38) Frint: 1829 XI 1, K.F.A. 237/72/15. — Firmian: 1829 VI 12, 1828 I 9, K.F.A. 239/97, 4 und 6. 39) Ignaz Beidtel, Untersuchungen über die kirchlichen Zustände in den kaiserlich österreichischen Staaten, die Art ihrer Entstehung und die in An­sehung dieser Zustände wünschenswerten Reformen, Wien 1849, S. 177 ff. 40) Beidtel, a. a. O., S. 174 ff. 41) Um die zum Teil allerdings sehr geworben wurde. Z. B. 1827 VI 2, Erzbischof Pyrker von Erlau, K.F.A. 232/31/2. 42) Daß einige von ihnen sich auch der Erforschung der Natur widmeten, wie Salm und Hohenwarth, oder andere Interessen hatten, kann man ihnen nicht verübeln. 43) Beidtel, a. a. O., S. 176.

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