Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)
WEINZIERL-FISCHER, Erika: Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. (1804–1835)
Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. 241 bankrott“ von 1811 5 *), durch den das Papiergeld, die sogenannten „Banco- zettel“, auf ein Fünftel ihres Nennwertes abgewertet wurden. Dies bedeutete für die Bevölkerung — abgesehen von einigen wenigen, gut informierten Geldleuten“) — den Aderlaß einer 80% igen Vermögenssteuer. Besonders getroffen wurden die Beamten und Festangestellten, zu denen ja auch die Priester und Lehrer gehörten 7 8), während die Gewerbetreibenden und Bauern von derartigen Finanzoperationen naturgemäß nicht so abhängig waren. Nach der Niederwerfung Napoleons durch die alliierten Mächte Österreich, Preußen, Rußland und England gelang es dem österreichischen Außenminister und späteren Staatskanzler Metternich“), bei der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongreß9) die entscheidenden Rolle zu spielen. Mit der politischen Restauration in Österreich konnte aber die finanzielle Sanierung nicht Schritt halten und man mußte 1816 eine neuerliche Währungsreform versuchen 10). Erst das folgende, außenpolitisch relativ ruhige Jahrzehnt brachte der Monarchie auch wieder eine gewisse wirtschaftliche Konsolidierung, wenn auch 1830 das Defizit des Staatshaushaltes noch immer fast 10 Millionen Gulden betrug11). Bei der fortschreitenden Industrialisierung gab allerdings die Not der Arbeiter — ebenso wie die der robotpflichtigen Bauern12) — weiterhin Anlaß zu sozialen Spannungen. Bürgertum und Intelligenz dagegen gerieten durch das Metternichsche Polizeisystem in einen Zustand geistiger Verkapselung und Abwehr gegen den Staat13). Trotzdem — oder vielleicht gerade deswegen — blühten im Vormärz Kunst und Kultur und wurde noch einmal im bürgerlichen Biedermeier ein einheitlicher Lebensstil geformt. Damals nahm auch von Wien, der Hochburg der Aufklärung, die katholische Restauration als geschlossene und bewußt geistige Bewegung ihren Ausgang14 15). War doch gerade diese Stadt zur Zeit der Vorbereitung der großen Erhebung gegen Napoleon zum Treffpunkt für Männer wie Klemens Maria Hofbauer, Friedrich Schlegel und Franz Baader geworden! lä) 5) Hermann Meynert, Kaiser Franz I., Wien 1872, S. 174 ff. — Beer, a. a. O., S. 44 ff. “) Viktor Bibi, Kaiser Franz und sein Erbe, Wien 1922, S. 199. 7) Siehe unten S. 247 ff. u. 268 ff. 8) Heinrich R. von S r b i k, Metternich. Der Staatsmann und der Mensch, 2 Bde., München 1925. 9) Hant sch, a. a. O., iS. 293. 10) Beer, a. a. O., S. 91 ff. 11) Ebendort, S. 111. 12) Siehe unten S. 310 f. 13) Bibi, a. a. 0., S. 283 ff. 14) Eduard Winter, Differenzierungen in der katholischen Restauration in Österreich, Historisches Jahrbuch 52, 1932, S. 443. 15) Taras von Borodajkewycz, Die Kirche in Österreich, in Nadler- Srbik, Österreich, Salzburg 19363, S. 306 f. — Hant sch, a. a. O., S. 308 f. Mitteilungen, Band 6 16