Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)

GASSER, Peter: Das spanische Königtum Karls VI. in Wien

Das spanische Königtum Karls VI. in Wien 193 jetzt ebenfalls erwünscht. Die eine Wiederaktivierung der Ostende Kom­pagnie gleich England fürchtenden Generalstaaten gesellten sich eben­falls zu den Feinden des Kaisers. Der am 9. 11. 1729 geschlossene Traktat von Sevilla war ein Offensivbündnis gegen Karl VI., der die spanischen Ansprüche auf Parma, Piacenza und Toskana, wenn nötig, mit Waffen­gewalt unterstützen und die endgültige Aufgabe der Ostindischen Han­delscompagnien erzwingen sollte. Ausführlich setzte der Kaiser am 8. 2. 1730 21) den Mailänder Gou­verneur Grafen Daun die kritische Lage auseinander. Die Verträge von London 1718 und Wien 1725 wären durch die Abmachungen von Sevilla gebrochen. Dem Kaiser war der alliierte Plan, 6.000 Mann spanischer Trup­pen in die Festungen Toskanas, Parmas und Piacenzas zu legen, bekannt. Er erwartet einen feindlichen Angriff auf seine Dominien und eine Ge­fährdung des Friedens für die Halbinsel. .........se preparen successivos d ános contra mis Dominios y contra la quetud de toda la Italia“. Selbst­verständlich kam nur die Lombardei als Aufmarschgebiet für die kaiser­lichen Verteidigungskräfte in Frage. Daun wurde angewiesen, den täg­lichen Steuerbetrag Mailands von 13.000 Libras um weitere 3.000 zu er­höhen und diesen Mehrbetrag für die Unterhaltung der aufzustellenden kampfbereiten Truppe zu verwenden. Die Antwort des Gouverneurs aus Mailand, auf die der Kaiser am 23. 3. 1730 zurückkam, war alles eher, denn viel versprechend. Die Steuer­erhöhung fand Graf Daun in Anbetracht des notorischen Elends der Be­völkerung, des brachliegenden Handels und der drückenden Steuern als völlig untragbar. „ .... las notorias miserias de aquellos subditos ........los g raves tributos que pagan .... la falta de comercios que padecen por lo quäl siendo insoportable esto nuevo peso“. Karl beteuerte wieder die Notwen­digkeit der Steuererhöhung und betonte, daß die Maßnahme nur zum Schutze seiner so treuen, ihm von Gott anvertrauten Untertanen erfolge und bei Aufhören des Notstandes sofort rückgängig gemacht werden würde 22). Der vom Grafen Daun offen und ungeschminkt aufgezeigte materielle Situationsbericht des „Estado de Milan“ stellt dem spanischen Verwal­tungskörper, dem Spanischen Rat und auch dem Herrscher, der diese Zu­stände nicht geändert, vielmehr toleriert und gefördert hatte, ein trau­riges Attest aus. In nahezu 20 Jahren hätte manches, was die spanische Verwaltung in Mailand verbrochen hatte, wieder gutgemacht weirden können. Dies war und konnte aber nicht geschehen, solange Karl VI., in seinen spanischen Traum versponnen, Spaniern die Verwaltung italieni­scher Gebiete überließ. Immerhin war es bezeichnend, daß auch jetzt noch der Lombardei der Hauptbeitrag zur Verteidigung Italiens zugemutet 21) H. H. u. St. A. Spanischer Rat, Faszikel V 323. 22) H. H. u. St. A. Spanischer Rat, Faszikel V 336. Mitteilungen, Band 6 13

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