Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv
Rezensionen 441 Der Umstand, daß das Werk innerhalb eines halben Jahres vergriffen war und im März 1952 eine zweite Auflage herausgebracht wurde, zeigt jedenfalls, daß es in Leserkreisen großen Widerhall gefunden hat. Da die zweite Auflage für diese Besprechung nicht eingesehen werden konnte, ist es möglich, daß darin einige der angeführten Fehler, die nach Angabe des Verlages verbessert wurden, nicht mehr enthalten sind. Otto Friedrich Winter (Wien). Archivwissenschaft. Spie ss Werner, Das Stadtarchiv Braunschweig; Seine Geschichte und seine Bestände. Braunschweig 1951. 112 S. 8°. Die während des Krieges veranlaßte Verlagerung umfangreicher Bestände brachte manchen Archiven ein wichtiges positives Ergebnis: Die Möglichkeit, die rückgeführten Archivalien nach neuen, praktischen Ordnungsprinzipien aufzustellen. Diesen Vorteil wußte auch Dr. Spiess, seit 1934 Archiv- und Stadtbibliotheksdirektor in Braunschweig, als Krönung seiner totalen Neuordnung und -Verzeichnung der Archivbestände wahrzunehmen. Für einzelne Gruppen der in einem eigenen Gebäude auf gestellten Archivalien, vor allem für die städtischen Urkunden, wurden bereits 1539, 1580 und ca. 1745 Repertorien angelegt, als wesentliche Hilfe für die schon im 18. Jh. einsetzende intensivere verwaltungsmäßige und wissenschaftliche Benützung. Ein 1842 zur Ordnung des Stadtarchivs gegründeter Verein scheint zunächst nicht besonders erfolgreich gewirkt zu haben, hingegen bedeutet die Bestellung eines geeigneten Akademikers als Direktor der „Städtischen Sammlungen“ im Jahre 1860 den Beginn geregelter wissenschaftlicher Tätigkeit. Das Museum wurde bald darauf verselbständigt. Archiv und Stadtbibliothek bilden aber noch heute eine Einheit. Dadurch müssen die Beamten ihre Kräfte beiden Instituten widmen und eine Besetzung mit insgesamt elf Personen, Buchbinder und Aufseher eingeschlossen, scheint daher eher knapp. Bis 1942 waren sogar noch weniger Planstellen vorhanden und man war somit für etliche Erschließungsarbeiten auf freiwillige Helfer angewiesen. Aus der ausführlichen Darstellung der Archivgeschichte ist einiges zum Problem von Benützergebühren und über ihre dort festgesetzte Höhe zu erfahren, dagegen vermißt man näheres Eingehen auf die Art der Aktenaufbewahrung, ob sie z. B. zwischen Faszikeldeckel gebunden oder in Schachteln gelegt werden oder wie Rechnungen in Aktenform zwischen den eigentlichen Rechnungsbüchern aufgestellt sind. Dann zeigt der Verfasser u. a. wie viel Sucharbeit oft die Beantwortung einer kurzen telephonischen Anfrage beanspruchen kann. Auch betont er ganz richtig, daß die primäre Aufgabe eines Archivars die Ordnung und Repertorisierung der ihm anvertrauten Bestände sein muß, denen erst in zweiter Linie die an sich wertvollere Tätigkeit der wissenschaftlichen Bearbeitung folgen darf. So ist er in der Lage, einige auf dem früher ungenügenden Zustand der Repertorien beruhende Mängel wissenschaftlicher Publikationen aufzudecken, denen er sich nun nach Abschluß der Ordnungsarbeiten in verstärktem Maße zuwenden kann.