Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

LITERATURBERICHTE. REZENSIONEN. Allgemeine und politische Geschichte. Benedikt Heinrich, Vom Inselstaat zum Weltreich. Geschichte Englands 1485 bis 1815. Margarete Friedrich Rohrer-Verlag, Innsbruck. Wien 1950. 556 Sei­ten. Schilling 72.—•. Der Verfasser legt mit diesem gefällig ausgestatteten Werk eine Ge­schichte Englands vom Spätmittelalter bis zum Wiener Kongreß vor. Der Feder Benedikts verdankt die Geschichtswissenschaft bereits zwei Staaten­geschichten *)> zu denen der Verfasser selbst umfangreiche Quellenstudien betrieben hat. Die Geschichte Englands ist unter Benützung der Standard­werke der englischen Geschichtswissenschaft geschrieben. Der Verfasser zeichnet unter Einflechtung zahlreicher literaturgeschichtlicher Hinweise, gegliedert in die Regierungsperioden der Könige von Heinrich VIII. bis Georg III. einschließlich, den Ablauf der englischen Geschichte seit der Thronbesteigung Heinrichs VII. Die Abgrenzung der Epoche 1485—1815 dürfte berechtigt sein, vor allem gegen das Mittelalter zu. Für England liegt tatsächlich eine Zäsur nach der Beendigung der Rosenkriege. England, dessen staatliches Sein im Wandel der Geschichte zwischen insularer Isolation und kontinentaler Expansion schwankt, konnte unter Heinrich VII. daran gehen, sich in die kontinentalen Machtkämpfe einzuschalten und an ihnen als Zünglein an der Waage teilhaben. Die Ausbildung des Empire wurde in den Napoleonischen Kriegen vollendet, die am Wiener Kongreß beschlossene Neuordnung Europas sanktionierte auch die englischen über­seeischen Erwerbungen. Die überaus starke Dynamik der englischen Ge­schichte der neueren Jahrhunderte kommt in diesem Werk infolge des allzu intensiven Eingehens auf literarische Reminiszenzen zu wenig zum Ausdruck. Die englische Literatur seit etwa 1600 war stark politisch ge­färbt, Literaten waren aktive Politiker und Politiker literarische Dilettan­ten, die politische Satire wurde zum Sprachrohr der öffentlichen Meinung. Doch wäre ein weniger langes Verweilen bei literarischen Reminiszenzen dem Werke vorteilhafter gewesen. Außerdem wäre zu wünschen gewesen, daß der Verfasser, dessen persönliche Erfahrung vor allem bei der Dar­stellung der Wirtschaftsgeschichte zum Ausdruck kommt, eine gründlichere und solidere Darstellung der europäischen und englischen Verfassungs­geschichte des Spätmittelalters gegeben hätte. Von „einem Zerfall der kirchlich-feudalen Weltordnung des Mittelalters in geschlossene Gebiete 1) Heinrich Benedikt, Das Königreich Neapel unter Kaiser Karl VI. (1927), Monarchie der Gegensätze (1947).

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