Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
HAUPTMANN, Ferdinand: Österreich-Ungarns Werben um Serbien 1878–1881
246 Ferdinand Hauptmann geben hatte, glaube ich daraus zu entnehmen, daß auf der Rückfahrt des Fürsten das Vertragsprojekt in Wien (22.—25. VI.) schon ausgearbeitet vorgelegt worden war. Ich halte es für wenig wahrscheinlich, daß dies Haymerle ohne vorhergehende Einwilligung des Fürsten unternommen hätte, oder nur auf Grund der bekannten Tatsache, daß der Fürst in absehbarer Zeit einen Vertrag wünsche. 50) W i n d e 1 b a n d, a. a. O., S. 274. 51) Die Frage, ob bei Milan auch durchgesickerte Nachrichten über das Drei-Kaiser-Bündnis mitgespielt haben, daß er sich zu so raschem Abschluß des Geheimvertrages bewogen fühlte, bleibt bis zur genauen Kenntnis der serbischen Akten offen und immerhin möglich. Dafür würde vielleicht die Nachricht des serbischen Vertreters in Petersburg sprechen, daß Giers das Bestehen eines Bündnisses zwischen den drei Kaiserreichen im Februar 1881 bestritten habe, aber einen stattgefundenen Ideenaustausch, der zum vollen Einverständnis der drei Mächte geführt habe, zugegeben hätte (Herbert an Haymerle. Belgrad, den 2. II. 1881 [Serbien 1881]). Außerdem wäre es nicht ganz unmöglich, daß Milan bei seinem Aufenthalt in Petersburg, der gerade in die Zeit des Abschlusses des Bündnisses fiel, eine Andeutung über diesen erhalten hätte (Yakchitch, a. a. O., S. 99). Andererseits befaßte sich Pirocanac erst im Herbst 1882, anknüpfend an eine dahingehende Äußerung des Grafen Khevenhüller, mit der Möglichkeit einer vertraglichen Abgrenzung der Interessensphären Österreichs und Rußlands auf dem Balkan (Pirocanac M.: Nasa zavrsna rec. Belgrad 1896, S. 38), und Milan hätte in seinen Briefen an Haymerle und Kállay bei vorausgesetzter Kenntnis vom Bestehen des Drei-Kaiser-Bündnisses wohl nicht untenwegt seine Sorge vor einem Übergreifen Rußlands auf Serbien kundgetan. 52) Entwürfe des Geheimvertrages von der Hand Haymerles (3 in deutscher Sprache [Verhandlungen 1881—1886]). 53) cf. auch Anm. 42. 5») cf. Anm. 52. 55) Art. XI. eines anderen Entwurfes von der Hand Haymerles. 58) Art. VII. des gleichen Entwurfes. 57) Ibidem. 5S) Y a k c h i t c h, a. a. O., S. 77 f. Es sei in diesem Zusammenhang nur an Andrássys Worte erinnert, daß die Grundlage der österreichischen Balkanpolitik in der Entwicklung der einzelnen „Volkspersönlichkeiten“ bestünde, also der serbischen, bulgarischen etc. Haymerle hatte den gleichen Standpunkt schon 1880 in Friedrichsruh vertreten, als er meinte, der bulgarischen Union seine Zustimmung umso leichter geben zu können, wenn Rußland dabei „den russischen Charakter benähme und den national bulgarischen an dessen Stelle treten ließe.“ 7. Rückblick und Ausblick. Es war unleugbar große Politik, die Österreich, wie wir gesehen haben, versuchte, um Serbien zu seiner Vorhut auf dem Balkan zu machen, und damit der Lösung der nationalen Frage innerhalb der Monarchie sowie auch im Südosten den österreichischen Stempel aufzuprägen. Der erste Schritt war auch geglückt: Am 28. VI. 1881 war dank der internationalen Situation und den politischen Erwägungen des Fürsten und seiner Ratgeber die äußerliche Anlehnung Serbiens an Österreich erfolgt. Aber es blieb noch die Frage offen, ob es gelingen werde, den Vorsprung vor Rußland, den Österreich hier seit dem Jahre 1878 besaß, auch dauernd zu behalten.