Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
BACHMANN, Hanns: Zum Urkundenwesen der drei bayrischen Landgerichte Kufstein, Kitzbühl und Rattenberg einschließlich des Zillertales im 14. Jahrhundert
Zum Urkundenwesen der drei bayrischen Landesgerichte 23 Den Schreiber D 63) finde ich nur in einer Urkunde, den Ausstellern und Zeugen nach zu schließen, dürfte er eher in Hall oder in Innsbruck als in Rattenberg zu suchen sein. Die Schreiber E °4) und F 65) erscheinen auch nur in je einer Urkunde. Der Schreiber G macht eine Ausnahme. Von ihm sind uns aus dem Bezirk Rattenberg drei Urkunden erhalten; zwei vom Jahre 1379 66) und die dritte von 1385 67). Daß es sich bei G um einen Rattenberger Gerichtsschreiber handelt, ist sehr unwahrscheinlich. In Urkunde 589 ist Hanns der Freundsberger von Tierberg sowohl Aussteller als auch Siegler, und der Pfleger von Tierberg ist Zeuge. Am Rattenberger Gericht wurde die Urkunde sicher nicht ausgestellt, viel eher in Tierberg selbst. Ähnlich sind die Dinge in Urkunde Nr. 487. Als Zeuge tritt ein Hanns Chuntler auf. Derselbe Mann wird 1385 in einer von demselben Schreiber G geschriebenen Urkunde als Richter zu Langkampfen bezeichnet68). Ebendieselbe Urkunde besiegelt der Richter zu Kufstein. Bei dem Verkauf handelt es sich um zwei Güter Wartlstein „gelegen in Angachter pharr und in Lanchampher gericht“, einer Schranne des Landgerichtes Kufstein. Die Siegler Ott der Ebser, sowie Weipoltz der Emhofer sind noch anderweitig zu finden. Der erste erscheint als Aussteller einer Urkunde vom Jahre 1367, die ebenfalls von G geschrieben ist. Die Urkunde ist dem Inhalt wie den genannten Personen nach in Kufstein ausgestellt worden. Weipoltz der Emhofer nennt sich in einer Urkunde von 1386 „Landschreiber von Kufstein“ 69). Diese Urkunde ist von Heinrich von Entahen, Bürger zu Kufstein ausgestellt worden. Nun finden sich aber im Pfarrarchiv Hopfgarten drei Urkunden, die durch ihre Schriftverwandtschaft mit den eben genannten auf den gleichen Schreiber als Urheber schließen lassen. 1379 und 1380 siegelt der Richter zu Hopfgarten bzw. Itter. Sie wurden auch zweifellos, wie die letzte von 1390, beim dortigen Gerichte ausgestellt. Handelt es sich hier tatsächlich um dieselbe Person, so hat auch dieser Schreiber die beiden Landgerichts-Schreibstuben Kufstein und Itter versehen. Nun liegt aber auch im Hauptstadtarchiv in München eine vermutlich von der Hand des Schreiber G herrührende Urkunde, deren Ausstellungsort sich allerdings nicht sicher feststellen läßt, möglicherweise aber in Kitzbühel zu suchen ist. Er hätte somit auch dort als Gelegenheitsschreiber fungiert. M) A.B. IV. Nr. 483. 64) A.B. IV. Nr. 576. «5) A.B. IV. Nr. 485. 66) A.B. IV. Nr. 589 u. 487. «7) A.B. IV. Nr. 577. 68) A.B. IV. Nr. 577. «8) A.B. IV. Nr. 504.