Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
HAUPTMANN, Ferdinand: Österreich-Ungarns Werben um Serbien 1878–1881
Österreich-Ungarns Werben um Serbien 1878—1881 229 Fürsten Milan und mit gemeinsamen Außen- und Kriegsminister anzubieten. Herbert an Haymerle. Belgrad, den 1. VI. 1881 (ibidem). „Ihre Absichten wurden entschieden zurückgewiesen und ihnen bedeutet, daß ihr Projekt den hierländischen Interessen nicht zuträglich erscheine, und den freundschaftlichen und achtungsvollen Gesinnungen Zuwiderläufe, welche Fürst Milan persönlich gegen Fürsten Alexander hege. Größeres Entgegenkommen als bei der Regierung, fanden die Deputierten bei ihren Gesinnungsgenossen in den hiesigen Abgeordnetenkreisen, die zwar weniger mit dem Unionsprojecte als mit den sonstigen Tendenzen der radicalen Partei in Bulgarien sympathisieren.“ Herbert an Haymerle. Belgrad, den 8. VI. 1881 (ibidem). 127) Herbert an Haymerle. Belgrad, den 1. IV. 1881 (ibidem). Die eventuelle österreichische Billigung der serbischen Königsproklamation ist umso bezeichnender, als Haymerle noch am 27. II. die rumänische wegen ihrer Folgen in Serbien fürchtete (W i n d e 1 b a n d, a. a. O., S. 254). Wenn er nun nach der vollzogenen rumänischen auch gleich die serbische zugeben wollte, so war das ein Zeichen für den neuen Kurs gegenüber Serbien, wie weit nämlich Haymerle geneigt war, der serbischen Regierung an die Hand zu gehen. Übrigens war sein Standpunkt zur Möglichkeit der rumänischen Königsproklamation knapp vor der Tatsache nicht mehr durchwegs ablehnend. Der Kaiser, sagte er am 22. III. zum rumänischen Gesandten Balatcheano, der ihn in dieser Angelegenheit ausholte, sei nicht dagegen; die Proklamation wäre nur im damaligen Momente unerwünscht. „En résumé, le Ministre de l’Empereur ne dit pás non; mais c’est ä condition que nous ne cherchions ni ä le surprendre ni ä le brusquer...“. Réponse de Mr. Balatcheano ä S. E. Mr. Boeresco. Bukarest. Vienne, le 22. Mars 1881 (Nachlaß Kállay II). 128) Jovanovic Sh, a. a. 0., Bd. II. S. 90ff.; cf. darüber die eingehende Darstellung bei Arnautovic: Istorija, S. 48 ff. 129) Haymerle an Herbert. Wien, den 20. I. 1881 (Serbien 1881). 13°) Herbert an Haymerle. Belgrad, den 25. I. 1881 (ibidem). 1S1) Herbert an Haymerle. Belgrad, den 81. V. 1881 (ibidem). „... Seine Hoheit lenkte das Gespräch neuerdings auf den Petersburger Besuch und sagte, daß er das größte Gewicht darauf lege, Seiner Majestät dem Kaiser... sowie auch Euerer Excellenz (Haymerle) die Motive jenes Besuches offen darzulegen, der in keinem Falle auf Seine Haltung gegenüber der Monarchie, die Richtung Seiner inneren und äußeren Politik und die Wahl Seiner Minister einen Einfluß über werde.“ 132) Herbert meinte, einer der Gründe für die feindselige Haltung Ristic’, besonders was die Vereinbarungen mit der französischen Kapitalistengruppe unter Bontoux (Union générale) zwecks Ausbau der Bahnen betraf, sei darin zu suchen, daß die ursprüngliche Hoffnung seines Schwagers, einem seiner Geschäftsfreunde einen Anteil am Bau zu verschaffen, mißlungen war, und seitdem bekämpfte „Istok“ heftig die Konvention Bontoux; cf. auch Arnautovic: Istorija, S. 94 ff., 105 ff. 133) Konsul Anger an Haymerle. Belgrad, den 22. VII. 1881 (Serbien 1881). 134) Privatschreiben des Fürsten Milan an Haymerle. Belgrad, den 20. IX./ 2. X. 1881 (Verhandlungen 1881—1886); cf. auch Résumé einer Unterredung des Freiherrn von Haymerle mit dem Fürsten von Serbien. Wien, den 15. IX. 1880 (Serbien 1880). 135) Grünberg, a. a. O., S. 299. 136) Lang L.: Hundert Jahre Zollpolitik 1805—1905. Wien 1906. S. 323. 137) Die Einfuhr von Mühlenprodukten, Eßwaren, Gemüse, Wein, Kolonialwaren, Reis, Kaffee, Zucker, Öl, Tabak und Petroleum machte 23,6% des serbischen Gesamtimportes aus (Nestorovic, a. a. O., S. 129).