Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

HAUPTMANN, Ferdinand: Österreich-Ungarns Werben um Serbien 1878–1881

210 Ferdinand Hauptmann war. Bei Mijatovic’ Auffassung kam ein Scheitern der Verhandlungen an dieser Frage nicht in Betracht, denn sein Streben ging dahin, der serbischen Land- und Viehwirtschaft den österreichischen Markt zu sichern; als Kom­pensation konnte er damn der österreichischen Industrie immerhin den serbischen Markt bieten 110). Umgehend antwortete Haymerle ,auf die serbische Note (am 10. XI. erhalten, am 12. XI. beantwortet), indem er die Wiederaufnahme der Ver­handlungen sofort in Aussicht stelltelu), hier auch dem Wunsche des Fürsten folgend, der auf diese Weise seiner Regierung schon einen Erfolg in der Skupstina zuzuschanzen suchte112). Viel mehr als je befaßte sich jetzt der Fürst mit Politik. Er berief nicht nur dieses Ministerium erst, nachdem er es auf sein eigenes politisches Programm festgelegt hatte, sondern blieb auch weiterhin in der Politik sehr rege. Diese Tätigkeit wurde ihm besonders dadurch ermöglicht, daß er im Kabinette seinen Vertrauten hatte, Mijatovic, dem er, um auf die Leitung der Außenpolitik entscheidend einwirken zu können, neben dem Posten eines Finanzministers auch den eines Außenministers übergeben hatte 11S). Der Fürst war sich der großen Schwierigkeiten bewußt, die diese Re­gierung zu bewältigen hatte. Schon im Inneren fiel ihr die Aufgabe zu, den Staat nach seiner erlangten Selbständigkeit auch dementsprechend auszubauen. In der Thronrede zu Anfang des Jahres 1881 wurden deshalb umfassende Reformen auf allen Gebieten an gekündigt114), und tatsächlich bezeichnete die dreijährige Dauer dieses Ministeriums eine reformatorische Leistung, wie sie von einem anderen Ministerium wohl kaum auch nur annähernd erreicht worden war. Daneben fiel der Regierung, teils zur Ausführung, teils zur Lösung, die Verlassenschaft Ristié’ in den Schoß, d. h. der Eisenbahnbau und der Handelsvertrag mit Österreich. Bei dieser regen Arbeit kam die Unent- wickeltheit des politischen Lebens zum Ausdruck, die schwerfällige Bauern- Skupstina war nicht dazu zu bringen, größere Geldforderungen zu bewilli­gen, wobei es gerade diesem rastlosen Ministerium darauf ankam, die finanzielle Grundlage für seine Pläne zu sichern. Die Abgeordneten, wie der Fürst einmal sagte, seien für Reformen in der Administration, im Gerichts­wesen, im Heer etc. wohl eingenommen, doch sobald man ihnen dann von Steuerforderungen spreche, wäre ihre Bereitwilligkeit verschwunden115). So mußte auch der Plan des Finanzministers, endlich eine Grundsteuer einzuführen, als unausführbar bezeichnet werden. Alles das konnte natürlich die Liebe der Minister zu dieser Art des parlamentarischen Lebens nicht erhöhen, und trotz ihres aufrichtigen und weitgehenden Liberalismus schlugen sie deshalb in ihrem Verfassungs- entwurfe eine Teilung des Parlaments in Ober- und Unterhaus vor (Senat und Skupstina), außerdem wollten sie durch Census-Wahlen den gebildeten und vermögenden Schichten die Mehrheit selbst in der Skupstina sichern,

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