Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)
GOLDINGER, Walter: Archivwissenschaftliche Literatur der Jahre 1948–1951
Rezensionen 319 der Quellen selbst ist als großes Verdienst um die Geschichtswissenschaft zu werten. Ein endgültiges Urteil über das Buch M.s, auch der Herausgabe der Quellen, muß freilich bis nach dem Erscheinen des 3. Bds. zurückgestellt werden. Eduard Winter (Berlin). Valsecchi Franco, II Risorgimento e l’Europa — L’Alleanza di Crimea. A. Mondadori-Milano, 1947, pp. 506. Der Verfasser hat schon in dem Vorwort zu seinem wertvollen Werke die Gründe mitgeteilt, die ihn bewogen haben, ein Problem wieder aufzurollen, über welches bereits eine so reichhaltige und mannigfaltige, italienische und ausländische, zeitgenössische und moderne Literatur vorhanden ist: „Über die Enge der traditionellen Auffassung hinauszugehen, die das Risorgimento auf eine nationale, wenn nicht sogar provinziale Begrenztheit beschränkt, es in den vielseitigen internationalen Bereich zu stellen und als europäisches Ereignis zu betrachten.“ Und man kann, ohne den Vorwurf der Übertreibung zu befürchten, jetzt schon vorausschicken, daß diese vortreffliche Arbeit nicht nur in weitestem Ausmaße allen Ansprüchen genügt, sondern daß auch wir, Zeitgenossen einer Generation, welche während der Vorbereitungen zum ersten Weltkriege und während des Weltkrieges selbst aufgewachsen und erzogen wurde, mehr als alle anderen die Notwendigkeit fühlen, diese Anforderung zu stellen und sie nicht nur hinsichtlich der Krim-Alliance, sondern unseres ganzen Risorgimento vom Sturz Napoleons bis zum ersten Weltkrieg zu erfüllen. V. ist sicherlich nicht der erste, das Risorgimento von diesem neuen Gesichtspunkte aus zu betrachten, was er übrigens selbst zugibt. Einen wichtigen und klugen Anfang dieser unserer neueren Auffassung der Geschichte des Risorgimento haben schon Omodeo in seiner großen Arbeit über den Grafen Cavour und Silva in seiner mehr speziellen Art der Behandlung des Themas gemacht, aber es scheint mir, daß niemand wie der Verfasser des vorliegenden Werkes so klar und deutlich das neue Erfordernis gefühlt hat, das ihn dieses Thema mit einer so tiefschürfenden Analyse, mit so sorgfältigen Forschungen und mit solchem kritischen Scharfsinn behandeln ließ. Dies macht V. zu einem der angesehensten italienischen Geschichtsforschern. Das dreiteilige Werk beginnt mit dem „Frieden zu Mailand“, überprüft die Einstellung Viktor Emanuels II. zu diesem ersten großen Ereignis seiner Regierungszeit, klärt vor allem den Leser über dessen Glorienschein als „Galantuomo“ (Ehrenmann) auf, indem er die gesamten vorhandenen Schriften einer Revision unterzieht. Und nicht nur der König von Sardinien, auch alle anderen Rollenträger, die kleinen und die großen, die in diesem Drama europäischer Geschichte eine wenn auch unbedeutendere Rolle gespielt haben, ziehen an unserem geistigen Auge ohne den ihnen von der Tradition zuerteilten Nimbus des Ruhms oder der Bösartigkeit vorbei und gewinnen so eine wirklichere, den Fragen, die sie zu lösen berufen sind, entsprechendere Persönlichkeit, die daher stärker ist und der modernen Auffassung der Geschichtskritik näherkommt. Und es ist nicht das geringste