Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)

GOLDINGER, Walter: Archivwissenschaftliche Literatur der Jahre 1948–1951

Rezensionen 313 Besonders dankbar wird man das reiche Schrifttumsverzeichnis, in dem die wichtigeren Werke besonders gekennzeichnet sind und das auch Ab­handlungen aus den Fachzeitschriften einbezieht, begrüßen; sein Wert wird noch erhöht durch die Anführung der Autoren der einschlägigen Literatur bei den Anmerkungen zu den einzelnen Kapiteln. Vollständigkeit wurde, wie der Verfasser selbst feststellt, begreiflicherweise nicht angestrebt; es muß aber doch befremden, daß z. B. von K. und M. Uhlirz, Handbuch der Geschichte Österreichs und seiner Nachbarländer Böhmen und Ungarn, nur die Bände 1 und 2, 1 (Erscheinungsjahr 1927 bzw. 1930) angeführt sind, während das Werk einschließlich des 4. Bandes (Bibliographische Nachträge und Ergänzungen, Register) seit 1944 abgeschlossen vorliegt, und daß H. Hantsch, Die Geschichte Österreichs (Band 1 2 1947, Band2 1950) überhaupt nicht aufgenommen ist. Der Aufsatz von G. Ostrogorsky, „Die byzantinische Staatenhierarchie“, im Seminarium Kondakovianum 8, Prag 1936, wäre ebenfalls zu verzeichnen, bietet er doch grundsätzliche Feststellungen zum Verhältnis zwischen byzantinischem Kaisertum und den orthodoxen Staaten. Als Anregung sei noch vorgebracht, das Schrifttums­verzeichnis bei einer etwaigen Neubearbeitung in Quellen und Literatur aufzugliedern und Quellen in größerem Umfang in dasselbe aufzunehmen. Die anschließenden Herrschertafeln, innerhalb deren auch Listen der Patriarchen von Konstantinopel, der Großvesire und Kapudan-Paschas nach verläßlichen Gewährsmännern angeführt werden, ergänzen technisch sehr geschickt und den Handbuch-Charakter betonend die im Text — der Anlage des Werkes entsprechend — nur in beschränktem Umfang gegebenen historischen Daten; sie greifen allerdings in der Anführung der Chane der Goldenen Horde und der Krim und der Fürsten von Kiew, Galizien und Wolhynien über den geographischen Raum Südosteuropas hinaus, auch die Zeittafel führt viele, mit der Geschichte Südosteuropas kaum in Beziehung zu setzende Ereignisse an. Hier wären Einsparungen kein Verlust, während eine Bereicherung mit Daten aus der Geschichte Südosteuropas selbst nur wünschenswert wäre. Den Abschluß bildet ein sorgfältig gearbeitetes Namens- und Sachregister. Am Ende dieser Besprechung soll noch einmal festgestellt werden, daß unbeschadet der vorgebrachten Einwände dieses auch in der Aus­stattung und im Druck vorbildliche Werk eine sehr bedeutende historio- graphische Leistung ist. Es sei die Hoffnung ausgesprochen, daß es in der Fachwelt und darüber hinaus bei den historisch Interessierten die ihm gebührende Verbreitung findet und damit dazu beitragen kann, der leider oft allzu stiefmütterlich behandelten Geschichte Südosteuropas den ihr zustehenden Platz im Geschichtsbild Europas zu erringen. Otto Friedrich Winter (Wien). Ritter Gerhard, Die Neugestaltung Europas im 16. Jahrhundert. Die kirchlichen und staatlichen Wandlungen im Zeitalter der Reformation und der Glaubens­kämpfe. Verlag des Druckhauses Tempelhof, Berlin 1950, 381 Seiten, Ganz­leinen, Mark 16-50. Das 16. Jahrhundert stellt für Europa ohne Zweifel eine Epoche wichtig­ster und tiefgreifendster, struktureller Veränderungen dar; diesem Struktur­

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