Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)

GOLDINGER, Walter: Archivwissenschaftliche Literatur der Jahre 1948–1951

Sammelreferate 297 für breitere Benützerschichten brauchbarer Weise lösen kann ‘). Solche Inventare haben ja in erster Linie dem Forscher zu dienen, der mit einer quellenkundlich orientierten Fragestellung an das Werk herantritt. Für Spezialgebiete werden dazu immer tieferdringende und weiteraus­greifende Untersuchungen erwünscht sein, die sich ja nicht auf ein Archiv be­schränken müssen. Als Beispiel kann die Arbeit von Hoffmann über die „Quellen zur Geschichte der Wirtschaft im Lande ob der Enns“ dienen* 2). Wichtige Fingerzeige für vordringliche Aufgaben der österreichischen Sozial­geschichte gibt im Anschluß an eine Beschreibung der Akten der nieder­österreichischen Kammer Otto Brunner3). Einen Ausschnitt aus den ständischen Akten des Kärntner Landesarchivs hat Wanner verzeichnet 4), der auch zur Geschichte dieser Anstalt eine Notiz beibringt 5). Von den Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs behandelt Grill die familien­geschichtlichen Quellen6) und die „Turcica“7), die Banntaidingspro- tokolle im Stiftsarchiv Klosterneuburg werden von Otruba erläutert8). Den engen Zusammenhang, der zwischen den Archiven und der Ge­schichtswissenschaft besteht, erweist sinnfällig die große Zahl von Mit­arbeitern aus dem In- und Ausland, die sich mit Beiträgen zu der anläßlich des Jubiläums des Haus-, Hof- und Staatsarchivs erschienenen Festschrift eingestellt haben9). An dieser Stelle muß auch das von der General­direktion des Österreichischen Staatsarchivs herausgegebene Faksimile­werk genannt werden10). Ja, Forschung und Archive stehen heute, da diese als wissenschaftliche Anstalten organisiert sind, enge nebeneinander. Indes hier handelt es sich um das Ende einer langen und schwierigen Ent­wicklung. Nicht überall hat man Staatsräson und Wissenschaftspflege so x) Einem solchen Zwecke dient auch das Verzeichnis der im Landesarchiv verwahrten Familien-, Herrschafts- und Gemeindearchive des Bundeslandes Steiermark. Mitt. d. Steiermärkischen Landesarchivs, 1, 12—22. 2) Mitt. d. Oberösterreichischen Landesarchivs, 1, 107—154. 3) Das Archiv der niederösterreichischen Kammer und des Vizedoms in Österreich unter der Enns und seine Bedeutung für die Landesgeschichte. Jahrbuch d. Vereins f. Landesk. v. Niederösterreich, NF. 29 (1948), 144—166. 4) Aus der Arbeit des Kärntner Landesarchivs. Mitt. über das Ständische Archiv, Abteilung I, Carinthia I, 139 (1949), 418—420. 5) Zur Geschichte des Kärntner Landesarchivs. Ebendort, 472. 6) Bericht über die konstituierende Versammlung des Verbandes österreichischer Geschichtsvereine in Wien vom 21. bis 24. September 1949, hrsg. vom Verband österreichischer Geschichtsvereine (1950), 56—59; ausführlicher im Jahrbuch d. herald.-genealog. Gesellsch. Adler, 1950, 19—24. 7) Die ältesten „Turcica“ des Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Mitt. d. Öster­reichischen Staatsarchivs, 3 (1950), 127—142. 8) Verzeichnis der im Stiftsarchiv Klosterneuburg verwahrten Banntaidings- protokolle und Banntaidingstexte. Anzeiger d. phil.-hist. Klasse der Öster­reichischen Akademie d. Wissenschaften (1949), Nr. 24, 563—574. 9) Bd. 1 (1949) = Mitt. d. Österreichischen Staatsarchivs, Erg.-Bd. 2, VIII+ 795 S. Der zweite Band ist eben (1952) erschienen. 10) 1100 Jahre österreichische und europäische Geschichte in Urkunden und Dokumenten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs. 100 Lichtdrucktafeln mit Transkriptionen und Erläuterungen. In Verbindung mit Fachgenossen und unter Mitarbeit der Beamten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs hrsg. von Leo Santifaller = Publikationen d. Österreichischen Staatsarchivs, hrsg. v. d. Gene­raldirektion, I. Serie: Faksimilewerke, 1. Bd. (1949).

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