Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)
ACHT, Peter: Ein Registerbuch des Bischofs Nikolaus von Regensburg (1313–1340)
104 Peter Acht jedoch entschieden in der Minderheit. Dazu kommen Aufzeichnungen, die mit Urkunden nichts zu tun haben, wie Einnahmen- und Lehnsverzeichnisse, eine Kardinalsliste, ein Urkundeninventar, also Schriftstücke, die teilweise als Akten des täglichen Gebrauchs anzusehen sind, mit deren Aufnahme aber die Hs. dem Beispiel anderer Register des 14. Jahrhunderts folgt1). Wie also von einem reinen Auslaufregister nicht die Rede sein kann, ebensowenig ist es ein Spezialregister. Durch die Aufnahme eingelaufener Urkunden erhält es stellenweise sogar den Charakter eines Kopialbuches. Die Frage nach einer Vollständigkeit des Registers, ob sämtliche während der Regierungszeit Bischof Nikolaus’ ausgegangenen Urkunden enthalten sind, muß entschieden verneint werden, wie ein Vergleich mit den in den „Regesta Boica“ verzeichneten Regensburger Bischofsurkunden zeigt2). Doch läßt sich kein bestimmtes System für Aufnahme oder Auslassung einer Urkunde erkennen. Es fehlen sogar Urkunden aus dem Streit mit dem Schottenabt 3), obwohl die politische Bedeutung dieses Prozesses eine lückenlose Abschrift aller sich darauf beziehenden Stücke am ehesten gerechtfertigt hätte. Eine Übersicht über die auf den ersten 11 Blättern (Fol. 12—22) eingetragenen Urkunden soll die zeitliche Anordnung deutlicher vor Augen führen. Fol. 1 kann hiebei als Einzelblatt, das wohl vor dem Einband als äußerer Umschlag diente und auch bei der frühesten Zählung ausgelassen wurde, unberücksichtigt bleiben. Im Gegensatz zu der Masse der späteren Urkunden enthält es nur objektiv gefaßte Regesten von Bischofsurkunden, Schenkungen und Lehnseiden, von denen die ersten zum Jahr 1323, das jüngste zu 1331 datiert sind. Erst mit Fol. 12 beginnt die Reihe der vollständig aufgenommenen Urkundentexte, deren erster zum Jahr 1320 Juli 3 datiert ist. Doch enthält die Hs. noch weitere 18 Urkunden, die zwischen 1314 März 16 und 1320 Juni 26 ausgestellt sind und von denen vermutlich noch 1) Seeliger, a. a. O., S. 226 und 338. 2) Von den drei in den „Regesta Boica“ zum Jahr 1322 genannten Urkunden Bischof Nikolaus’ zum 15. März, 27. August und 22. Dezember ist keine registriert. Ähnlich verhält es sich in den späteren Jahren. 3) Z. B. die Bestellung eines Prokurators durch Bischof Nikolaus von 1320 März 14, Salzburger Regesten, Bd. 3, Nr. 210. Im Prozeß um die Klauensteuer fehlen das Diplom Ludwigs des Bayern für Regensburg von 1323 Juni 11, Erben, a. a. O., S. 122, Nr. 214, unter Berichtigung von Böhmer, Nr. 574, ebenso die darin bestätigte Urkunde der niederbayerischen Herzoge von 1323 Mai 21 bzw. Mai 30, Böhmer, Wittelsbachische Regesten S. 112 f.