Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)

ACHT, Peter: Ein Registerbuch des Bischofs Nikolaus von Regensburg (1313–1340)

100 Peter Acht in einer Urkunde von 1313 Mai 30 seinen Protonotar und Sekretär 1). In der gleichen Stellung erscheint Nikolaus in einer anderen Urkunde des Königs für Bischof Philipp von Eichstätt von 1313 September 13 2). Tadra will ihn ferner in einer Urkunde des Böhmenkönigs von 1312 September 30 in dem Ratgeber „magister Nycolaus“ erkennen 3). Dagegen möchte ich seine Gleichsetzung mit dem „magister Nycolaus dictus de Spyra prepositus Melnycensis“ in einer Urkunde von 1312 Januar 6 bezweifeln 4). Demnach war Nikolaus, der noch 1311 in Begleitung König Hein­richs VII. in Italien nachweisbar ist5), vor dem Herbst des Jahres 1312 nach Deutschland zurückgekehrt und in die Dienste des Reichs­verwesers Johann getreten, unter dem er die Leitung der böhmischen Kanzlei übernahm 6). Vermutlich hat er diese Stellung, die er nur kurze Zeit bekleidete, mit dem Antritt seines Regensburger Bischofs­amtes niedergelegt7). Aus der Zeit König Heinrichs VII. liegen nun die ersten sicheren Nachrichten über die Führung von Reichsregistern vor8). Obwohl über Art und Umfang der Tätigkeit Bischof Nikolaus’ als Notar in der Reichskanzlei noch keine Einzelheiten bekannt sind, dürfte er bereits am Hofe des Luxemburgers dieses für eine geordnete Verwaltung unentbehrliche Hilfsmittel kennengelernt und nach der Wahl zum 1) Emler Joseph, Regesta Bohemiae et Moraviae, Pars III (1890), S. 60, Nr. 142 zu 1313 Mai 29; Original im Bayer. Hauptstaatsarchiv München, Hochstift Regensburg Urk.: Schenkung eines Kreuzpartikels dem „venerabili viro domino Nicolao ecclesie Ratisponensis electo et confirmato prothonotario et secretario nostro karissimo“. 2) Emler, a. a. O., S. 65, Nr. 157. 3) Tadra Ferdinand, Kanceláíe a pisari v zemích ceskych za králft z rodu Lucemburskeho Jana, Karla IV. a Václava IV. (1310—1420) — Die Kanzler und Notare in den böhmischen Ländern unter den Königen aus dem Geschlechte der Luxemburger Johann, Karl IV. und Wenzel IV., Böhmische Ak. Kl. 1, Jg. 1, Nr. 2 (1892), S. 13. — Emler, a. a. 0., S. 23, Nr. 56. 4) Tadra, a. a. O., 8. 13. Auch die MB., Bd. 49, Nr. 278, Anm. 3 scheiden zwischen Magister Nikolaus von Speyer, Propst von MSlnik, und Nikolaus von Ybbs, dem späteren Bischof von Regensburg, vgl. weitere dort genannte Belege, ebenso Heidingsfelder, a. a. O., Nr. 1354 (S. 432). 5) Böhmer, Nr. 363, Zeuge in einem zu Mailand ausgefertigten Diplom. 6) Tadra, a. a. O., S. 12. 7) Als nächsten Sekretär bezeichnet Tadra S. 13 f. Guillelmus de Machaudio (1316—1346). 8) Seeliger Gerhard, Die Registerführung am deutschen Königshof bis 1493. MIÖG., Ergbd. 3 (1890/94), 231 ft. — Bresslau, a. a. O., S. 13011. — Zatschek, a. a. O., S. 109.

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