Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.
Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 93 jederzeit wieder verloren gehen, außerdem gebührte es sich, daß der Träger der Kaiserkrone nicht nur Titularkönig von Ungarn und Böhmen, wie Friedrich III., sondern Herrscher eines Königreiches, wie die Luxemburger, sei. Wir wissen, daß Königspläne für Österreich bis ins 17. Jahrhundert hinein immer wieder mit Bestrebungen nach zentraler Organisation der zersplitterten Herrschaften und Rechte der Habsburger parallel gingen 1). Unter Maximilian I. war die Idee auf einem Höhepunkt und soweit gediehen, daß schon Entwürfe für eine entsprechende Rangerhöhungsurkunde ausgearbeitet wurden 2). Es geht aus dem Text nicht klar hervor, welche Länder als neues Reich zusammengefaßt werden sollten. Bedeutete das Erzherzogtum, Österreich mit allen und jeden Fürstentümern, Herzogtümern, Grafschaften, Herrschaften, Provinzen, Gebieten etc. nur die niederösterreichischen Länder oder auch Tirol und die Vorlande ? Das kann nicht entschieden werden 3). Auch die künstlerischen Darstellungen, die wir befragen wollen, können keine eindeutige Antwort geben, sie führen aber doch etwas näher. Zwar wissen wir, daß diesem endgültigen Projekt schon mehrere derartige Ideen und Versuche Maximilians vorausgingen 4), aber bei der Sprunghaftigkeit seines Geistes und dem Schwanken der politischen Konstellation läßt sich von einem Konzept keineswegs auf ein anderes schließen; da ist ein ständiges Fluktuieren, ein neuer Einfall verschiebt und verdrängt sofort einen anderen. Doch scheint die Königsidee eine seiner konstantesten gewesen zu sein, eng verbunden mit der kaiserlichen Stellung, denn nur als Kaiser konnte er Könige schaffen *). Nannte er sich einerseits „König und Erb sieben christlicher Königreiche“, *) Über derartige Pläne Kaiser Ferdinands II. vgl. Herrn. Ign. Bidermann, Geschichte der österreichischen Gesamtstaatsidee 1526—1804; 1. Abt. (Innsbruck 1867), S. 28. 2) Vgl. Erich König, zur Hauspolitik Kaiser Maximilians I. in den Jahren 1516 und 1517. Festgabe für Hermann Grauert 1910, S. 191 ff.; Oswald Redlich, Die Pläne einer Erhebung Österreichs zum Königreich, Ztschr. d. hist. Vereins f. Steiermark, Bd. 26, 1931 (Luschin-Festschrift), S. 87 ff. Die betreffenden Entwürfe von Peutinger, Spiegel und dem Brixener Dompropst Sprenz sind in beiden Aufsätzen abgedruckt. Nach Maximilians Tode wurde die Idee noch eine Zeitlang fortgeführt, dann aber fallen gelassen. 3) Redlich, a. a. O., S. 97. 4) Redlich, a. a. O., S. 93; Andreas Walther, Die burgundischen Zentralbehörden unter Maximilian I. und Karl V., (1900), S. 93; Mülheim Bauer, Die Anfänge Ferdinands I. (Wien und Leipzig, 1907), S. 69. 5) Hans Hirsch, Das Recht der Königserhebung durch Kaiser und Papst im hohen Mittelalter. Festschrift Ernst Heymann, (Weimar 1940), S. 209.