Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.
84 Anna Coreth burger übertragene Abstammungserzählung bei Maximilian ein Symbol der nun beginnenden Ablösung des Kaisertums von der Krönung in Rom, die von ihm — zwar nicht ganz freiwillig — durch die einfache Annahme des Kaisertitels vollzogen worden war (1508). Von jeher trug aber die Trojasage der Franken auch den Stachel einer Rivalität mit Frankreich in sich, dessen Könige sich ja von den Frankenfürsten herleiteten und als echte Nachfolger C'harlemagnes auch immer wieder Ansprüche auf die Kaiserwürde geltend machten. Da half es wenig, wenn von deutscher Seite von Jordan von Osnabrück und Alexander von Roes x) an bis zu Peter von Andlau 2) und den anderen elsäßischen Humanisten die Franzosen als Francigenae, als Mischvolk verschrien, die Deutschen dagegen als echte trojanische Franken bezeichnet wurden. Die Trojasage mit Österreich in Zusammenhang zu bringen, lag nahe, da die Franken von Osten kommend 3) durch dieses Land zogen. Lhotsky4) hat diese ersten Hinweise in der Züricher Weltchronik um zirka 1300, auch in einer französischen Chronik dieser Zeit, mit Anwendung auf die Habsburger vor allem bei Heinrich von Klingenberg, von dem wohl Maximilians Chronist Mennel die Idee übernommen hat, aufgezeigt. Die Rivalität mit Frankreich ist ein wesentlicher Bestandteil dieser trojanisch-habsburgischen Genealogie geblieben. Schon Albert von Bonstettens kombinierte trojanisch-römische Habsburgerabstammung hat offenbar den französischen Königen beweisen sollen, daß eine Ehe mit der Kaisertochter (Margarete) eine Verbindung des allerchristlichsten mit dem allervornehmsten Blute bedeutete5). b Vgl. Franz Wilhelm, Die Schriften des Jordan von Osnabrück, MIOG., 19, 1898; Alexander von Roes, De translatione Imperii und Jordanus von Osnabrück, De praerogativa Romani Imperii, hrsgg. von Herbert Grundmann, Leipzig und Berlin 1930, S. 25 f.; Neuausgabe von Heimpel und Grundmann (1948). 2) Joseph Hürbin, Der „libellus de Cesarea monarchia“ von Hermann Peter von Andlau. (Ztschr. der Savignystiftung für Rechtsgeschichte, Bd. 12, 1891 und 13, 1892.) 3) Zu Maximilians Zeit bringt dagegen Johannes Fuchsmagen eine neue Version: die Siccambrer seien vom Rhein, wo sie schon lange vor Valentinians Zeiten ansässig gewesen wären, gegen die Daker, also gegen Osten, geschickt worden. Ein neu aufgefundener Stein in Buda bezeichne übrigens die legio Syccarnbrorum als Erbauer dieser Stadt. Vgl. Fuchsmagens Bemerkungen zu Otto von Freisings Cronica, Cod. Vind. Palat. 3334; gedr. bei Hofmeister, SS. rer. Germ. p. LXXVII sq. 4) A. a. O., S. 204. 6) Ebenda, S. 206 die genauen Angaben. Widmungsbrief 22. April 1491.