Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
BLAAS, Richard: Ein Tiroler Teilbuch aus dem Jahre 1340
Ein Tiroler Teilbuch aus dem Jahre 1340 75 indictione, primo in plebe sancti Martini 1). Ez haben gesait Fritz ab dem Riede der aitswer vnd die altsezzen in sand Marteins pfarre, naem- leich der oder, Fritz der Wolf, Hainreich der Raynl, Heinreich der Wiser von Walde, Gerolt ab Ekke ab Pradetsch, Heinreich der Hyrn, Heinreich der Staynhauser 2) dez ersten, daz si von dem inristen in der pfarre ze sand Martéin vntz her auz an Christlekke 3) niemant da zwischen wizzen, der anders iemants sei, denn meins her ren von Tirol, wenn alayn ze Mitterhouen auf Fulfes4) Ch. vnd Vlreich die prüder, sune weilent Perhtoldes dez Mitterhouer, der der Waelhin vater waz, die iehen an herrn Greifen von Mais ze reht oder ze vnreht, dez westen si niht. Die selben prüder haben chint pei weiben, die meins herren von Tirol sint. — Doch seit diu selb altsezzen gewizzen auf der stat danach, daz weilent hertzog Meinhard, do er dennoch graf waz, ze einen Zeiten chauft von ainem alten Muntelbaner vest, manschaft, leut vnd gilt, swaz er dez het; vnd f ügt sich nachmaln daz etstlich mazze mer denn pei drizzik iarn ist, 1) In der Woche nach dem 26. März 1340, St. Martin in Passeier. 2) Ried, Frakt. v. St. Martin rechts der Passer, Tarneller J., Die Hofnamen im Burggrafenamt und in den angrenzenden Gemeinden im AföG. 100 (1910), S. 196 f. Wolfer in Ried, Tarneller, a. a. O., S. 200, n. 886; Der Oeder, Tarneller, a. a. O., S. 273 n. 1384; Rain, Tarneller, a. a. O., S. 214, n. 1002; Waldwies im oberen Kalmtal, Tarneller, a. a. O., S. 195 n. 863; Hirngut, Tarneller, a. a. O., S. 207 n. 942; Steinhaus, Tarneller, a. a. O., S. 209, n. 964. 3) Kristl und Hinteregg zu St. Martin gehörig, scheiden das vordere Passeier von dem hinteren Talabschnitt. 4) Mitterhof auf Ulfas zur O. Gd. Platt gehörig, Tarneller, a. a. O., S. 213, n. 992. Der Hofá auf Ulfas ist nach allgemeiner Ansicht die Urheimat der Hofer in Passeier, die sich dann auf dem Wirtshaus in Moos und dem Sandwirtshaus in St. Leonhard niederließen, das Andreas Hofer dann führte. Durch diesen Eintrag des Teilbuches von 1340 wird die Urheimat der Hofer quellenmäßig belegt, und zwar zurückweisend bis in die Mitte des 13. Jahrhundert über den Vater Bertold der genannten Brüder Konrad und Ulrich und die Angabe, daß die Mitterhofer montalbanische Eigenleute waren, die noch Graf Meinhard II. von einem alten Montalbaner gekauft hat. Die Montalbaner hatten in Passeier zahlreiche Eigenleute (vgl. Hüter Fr., Die Herren von Montalban in Ztschr. f. bayr. Landesgeschichte, II [1938], S. 341 ff. und derselbe, Die Herren von Schnals in Sehlem-Schriften 9 [1925], S. 248 ff.). Der angeführte Kauf wird wohl zirka 1260 stattgefunden haben, denn die Bezeichnung von einem alten Muntelbaner scheint doch auf Swicker III. (1219—1266) mit dem Beiwort der Alte hinzudeuten. Das Eigenleuteverzeichnis der Herren von Montalban bei Stolz, Ausbreitung des Deutschtums III/2, S. 185, n. 14, nennt einen Ancius Hane in Ulfas, aber auch in dem nach der Aufteilung des montalbanischen Erbes genannten Pars Hugonis (siehe Hüter, Die Herren von Schnals, a. a. O., S. 265) werden ein Bertholdus et Cunradus fratres de Passyr cum uno puero genannt, die mit den oben genannten Mitterhofer wohl in Zusammenhang gebracht werden können.