Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

GRILL, Heinz: Die ältesten „Turcica“ des Haus-, Hof- und Staatsarchivs

Die ältesten „Turcica“ des Haus-, Hof- und Staatsarchivs 129 I. Bis zur Eroberung von Konstantinopel, 1412—1453. Archivalische Situation und geschichtliche Bedeutung. Beginn und Hauptmasse der ältesten „Turcica“ des Archivs liefern die Reichsregister bücher, denen leider noch immer ein zureichender Gesamtindex fehlt, so daß die Erfassung der in Frage kommenden Urkunden und Briefe sich in der Hauptsache auf die vorliegenden Regestenwerke von Aschbach und Chmel stützen mußte. Die meisten und bedeutsamsten Stücke der Zeit Sigmunds stehen uns durch diese unschätzbare Quelle zu Gebote. Die Urkundensammlung ist zu­nächst nur durch zwei dem Mainzer Erzkanzlerarchiv entstammende, für unsere Belange minder wichtige Stücke vertreten und liefert dann erst für 1443 den bekannten Brief König Wladyslaws an König Fried­rich, sowie jenen des Kardinals Julian mit seinen interessanten Bei­lagen. Von den „territorial“ angeordneten Beständen meldet sich als erstes, lange vor den sogenannten „Turcica“, Polen zu Wort, allerdings nur mit einer neuzeitlichen Abschrift. Gegen Ende der in dieser ersten Folge behandelten Periode rücken dann die „Fridericiana“ ein, jene wunderliche, sowohl des Herkunfts- wie des Betreffsgrundsatzes spottende Aktensammlung, die neben manchem Wertlosen Dokumente von höchster Bedeutung und großem Interesse bietet, darunter die hier aufgeführten aus der Schlick-Piccolomini-Zeit. Bestände, die späterhin höchste Bedeutung für unseren Gegenstand erlangen, wie die ver­schiedenen „österreichischen“ und die „ungarischen“ Akten, bieten für die Zeit vor der Eroberung gar nichts. Ihrer verschiedenartigen Zugehörigkeit entsprechend, sind die nachfolgend bezeichneten 26 Dokumente auch in der verschiedensten Form überliefert. Der Register Charakter der „RR“-Stücke versteht sich von selbst. Die Exemplare der Urkunden-Reihe sind durchwegs Original-Ausfertigungen, abgesehen von den ausdrücklich als Kopien namhaft gemachten Beilagen des Julian-Briefes; und neben der 19. Jahrhundert-Abschrift aus den Polonica stehen die vielverbesserten Konzepte der „Fridericiana“. Das historische Bild, das sich aus den so zusammengetragenen Stücken ergibt, entspricht dem — teilweise — zufälligen Charakter ihrer Erhaltung und Aufbewahrung, ist aber gleichwohl von eigen­artiger Charakteristik. Beginnend in der Zeit des Bruderkampfes der Bäjezid-Söhne Melimed und Müsä und über die Konsolidierungs­epoche Melnneds I. zur gewaltigen Wiederaufnahme der Expansion unter Murád II. und seinem Sohn, dem Eroberer, führend, werfen

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