Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)

Festfeier des Österreichischen Staatsarchivs aus Anlaß des 200jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs am 21. und 22. September 1949

44 Archivberichte IT: Festfeier des Staatsarchivs konstituierenden Hauptversammlung des Verbandes der österreichischen Geschichts ver eine. Ich begrüße herzlich alle Teilnehmer, besonders die aus dem Ausland, und wünsche, daß diese bedeutungsvollen Veranstaltungen mit dazu beitragen mögen, die Bemühungen der Wissenschaft um eine Einigung Europas im Geiste des Humanismus zu fördern! Es folgte dann die Ansprache des Vizepräsidenten der Österreichischen Akademie der Wissen­schaften Prof. Dr. Richard Meister. Hochansehnliche Festversammlung! Ich habe die ehrenvolle Aufgabe, dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv die Glückwünsche der wissenschaftlichen Institutionen und Vereinigungen Österreichs auszusprechen: der Akademie der Wissenschaften und der Forschungsinstitute, der wissenschaftlichen Hochschulen sowie der Archive, Bibliotheken und Museen. Besonders möchte ich den Glückwunsch der Archive Österreichs hervorheben, die in gleicher wertvoller Verbindung von Betreuung wissenschaftlichen Forschungsgutes in den Dokumenten der Vergangenheit und wissenschaftlicher Forschung an diesen mit den Zielen und Arbeiten des Haus-, Hof- und Staatsarchivs verbunden sind und so an dessen heutigem Jubiläum in besonderer Weise teilhaben und sich dadurch in ihrer eigenen Arbeit bestätigt und gewürdigt fühlen dürfen. Wenn die heutige Feier im Festsaale der Akademie der Wissenschaften abgehalten wird, so hat die Wahl dieses Raumes mehr als zufällige Bedeutung. Denn mit keinem zweiten wissenschaftlichen Institute Österreichs, abgesehen vielleicht von der Universität Wien, ist die Akademie der Wissenschaften so dauernd von den Jahren ihrer Vorbereitung und ihrer Begründung an und so innig und erfolgreich verbunden gewesen wie mit dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Schon in der Eingabe von zwölf Wiener Gelehrten an Kaiser Ferdinand im Jahre 1837 wird als einer der Gründe für die Stiftung einer Akademie der Wissenschaften die Forschung aus den österreichischen Archiven hervorgehoben. Als die philosophisch-historische Klasse in ihrer ersten Sitzung am 24. November 1847 über ihre künftigen Arbeiten beriet, da war es der Vizepräsident des Haus-, Hof- und Staatsarchivs Joseph Chmel, der einen ausführlichen Forschungs- und Publikationsplan auf dem Gebiete der österreichischen Geschichte vorlegte und die Wahl einer Kommission für die Durchführung dieser Arbeiten beantragte. Damit hat Chmel nicht nur den historischen Arbeiten der Akademie für lange Zeit, ja eigentlich bis auf heute die entscheidende Wendung gegeben, sondern auch in der Form der wissenschaftlichen Kommissionen die entscheidende Methode akademischer Gemeinschaftsarbeit begründet. Der Plan aber, den er vorlegte, bedeutete nichts weniger als eine monumentale Darstellung der Geschichte Österreichs aus ihren Quellen, wie sie die reichen Bestände der österreichischen Archive und insbesondere des Haus-, Hof- und Staatsarchivs boten. Für diese Forschungsarbeiten begründete er auch die beiden großen Publikationsorgane der Akademie, die „Fontes rerum Austriacarum“, österreichische Geschichtsquellen, und das „Archiv für österreichische

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