Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)
LHOTSKY, Alphons: Handschriftenausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek anläßlich des Ersten Österreichischen Archivtages. Handschriftliche Denkmäler der Geschichte Österreichs
22 Alphons Lhotsky Untersuchungen zur Österreichischen Geschichte des Aeneas Sylvius (Mitteilungen des Österreichischen Instituts für Geschichtsforschung 45, 1931, S. 23 ff.) umsichtig geklärt haben. Es erwies sich, daß die Handschrift zeitweilig dem Wiener Humanisten Cuspinianus gehört hat, der darin eigenhändige Notizen anbrachte. Ein merkwürdiges Unikum ist die Inkunabel 3. H. 12; sie enthält Nr. 29 Türkenpredigten, doch ist diesem Exemplar ein besonders für Kaiser Friedrich III. gedrucktes und sehr geschmackvoll dekoriertes Widmungsblatt vorgeschaltet, das der Pariser Drucker Guillaume Eichet, der die „schwarze Kunst“ an der Sorbonne eingeführt hatte, herstellte. Im Jahre 1491 erschienen die geschichtlichen Erläuterungen zu einer gemalten Genealogie der Babenberger im Stifte Klosterneuburg zu Basel im Drucke. Dieses eigenartige, auf die spätere Historiographie Österreichs sehr einflußreiche Werk ist schon im 16. Jahrhundert so selten geworden, daß es mehrmals abgeschrieben wurde; eine solche Nr. 30 Kopie zeigt der cod. n. 8080. Der Verfasser, Ladislaus Sunthaym (f 1513), war kein großer Literat, aber ein emsiger Sammler genealogischer Daten. Einige längst unzureichende ältere Arbeiten über ihn überholt eine gründliche Studie von Fritz Éheim, die hoffentlich bald veröffentlicht werden kann; einstweilen sehe man Josef Bauer, Ladislaus von Suntheim, und Aegyd Kopriva, Die Suntheimer Tafeln (beide Aufsätze im Jahrbuch „Adler“ Neue Folge 14, 1904, S. 60 ff. und 84 ff.). Aus der Ära Kaiser Maximilians I. sind dessen eigenhändige Bemerkungen zu der von seinem Sekretär Max Treitzsauerwein herrührenden ersten Niederschrift des autobiographischen Romans Nr. 31 „Weisskunig“ im cod. n. 2832 (f. 99) gezeigt; siehe die Ausgabe des Weisskunig von Alwin Schultz im Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des ah. Kaiserhauses 6, 1888, Einleitung S. XIII. Das ebenfalls von Maximilian angeregte, von Hans Ried in Bozen gegen Nr. 32 1517 angelegte „Heldenbuch“ (cod. ser. nov. n. 2663) ist besonders dadurch wichtig, daß es die einzige bekannte Überlieferung des Kudrunliedes enthält. Die Buchmalerei wird Veit Ried zugeschrieben. Vgl. Theodor Gottlieb, Die Ambraser Handschriften I (Leipzig 1900), S. 137, bzw. Anm. 2. Hier sollten auch die bemerkenswerten Entwürfe einer Erhebung der österreichischen Erbländer zum Königreiche zugunsten Ferdinands I. gezeigt werden, die sowohl in einer Augsburger wie in der Wiener Handschrift cod. n. 8117 (f. 45—51) überliefert sind;