Fekete Ludwig: Türkische schriften aus dem Archive des Palatins Nikolaus Esterházy (Budapest, 1932)

Einleitung

nachsenden, gibt aber den Auftrag — offensichtlich ist es ihm gar nicht um Spass zu tun — die Silberknöpfe davon abzuschneiden und daheim zu lassen. Die Unsicherheit der Wege hatte ausserdem zur Folge, dass man — statt der Bargeldzahlung — bloss mit Geldanweisungen ope­rierte, die man damals haväle, also ebenso nannte, wie den Wechsel im modernen türkischen Wirtschaftsleben. Die schlechte Wirtschaftslage brachte es mit sich, dass im ganzen Reiche ein Mangel an Gewerbetreibenden herrschte. Der Umstand, dass man in Konstantinopel ungarische Sklaven anforderte, ist bereits erwähnt worden. Aber auch in den türkischen Provinzen von Ungarn gab es nicht genug Gewerbetreibende. So geht eine Taschenuhr von Szekesfejervär (Stuhlweissenburg) zur Reparatur nach Ofen und von hier nach Hatvan und bleibt auch hier noch solange liegen, dass sie von ihrem Besitzer wiederholt reklamiert werden muss. Es dürfte endlich noch die Frage aufgestellt werden, wie diese Briefe weiter befördert wurden. Meist durch Leute, die in Privat­geschäften oder in amtlichem Auftrage reisten und die Weiterbeför­derung der Briefe aus Entgegenkommen übernahmen. Einem Türken in Kanizsa empfiehlt ein Freund in Ofen, die nach Eger bestimmten Briefe nur an ihn nach Ofen zu senden — und das werde nicht schwer sein, da „Ofen ein Verkehrsmittelpunkt" sei —, er werde sie dann schon nach Eger weiterbefördern. Wenn ein Eilbote von Konstanti­nopel zum Vezir nach Ofen kam — er brauchte etwa 13—16 Tage zu diesem Wege —, brachte er regelmässig ausser den amtlichen Schriften auch Privatbriefe mit, oft auch mehrere an eine Adresse. Diese Briefe enthalten Grüsse für jeden, auch namentlich angeführte Freunde und Bekannte; neben jedem Namen steht das Wort ha^retlerl, das als Ausdruck der Ehrerbietung auf jedermann, vom Propheten bis zum letzten Su-basi, bezogen werden kann. — Der Inhalt der Briefe wie die mündlichen Mitteilungen des Eilboten wurden von den Interessenten dann weitergegeben, bzw. an die Bekannten in der Provinz herum­geschickt. Die Türken hatten nämlich an den entferntesten Punkten des grossen Reiches überall ihre Bekannten, mit denen sie sich infolge ihrer häufigen Versetzungen und ihres oftmaligen Stellenwechsels befreundet hatten. Ofen und Eger sind also anscheinend nicht so weit voneinander entfernt gewesen, wie wir dies bei den damaligen Verkehrverhältnissen und der geographischen Entfernung denken könnten.

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