Fekete Ludwig: Türkische schriften aus dem Archive des Palatins Nikolaus Esterházy (Budapest, 1932)
Einleitung
sodann auf Grund der Meldung an den Kaiser, der Grossvezir an irgend einen Minister (eventuell an den Palatin), zur Darnachachtung an den Ofner Pascha, der sodann auch in seinem eigenen Namen dem Palatin den Standpunkt seiner Regierung mitteilt. (Daher kommt es, dass die Regierungsstellen oft durch vier, auch im Wortlaut übereinstimmende Briefe mit den Wünschen der Sultane bekannt gemacht werden.) Und eben der gleichartige Inhalt dieser Briefe zeigt, dass die Rolle des Ofner Paschas sehr wichtig war und — wie man dies auch in der Hauptstadt immer wieder hören konnte — die Entscheidung in der Hand der Grenzverwalter lag. 1 Hinsichtlich ihrer Persönlichkeit und ihrer Fähigkeiten waren die Ofner Paschas nicht übel ausgewählt, um das Reich vertreten und dessen Interessen auch einer anderen Grossmacht gegenüber verteidigen zu können. Die Pforte stellte die Besten ihrer Leute auf diesen Posten, die Besten, die sich stolz damit brüsten, in jahrzehntelangem Hofdienste Verwaltungskenntnisse erworben und auf allen möglichen weitentlegenen Gebieten reiche Erfahrungen gesammelt zu haben. Sufi Mehmed, Murteda, Musa, Osman und die andern haben ihre Jugend und zum Teil auch die Jahre ihres schönsten Mannesalters im inneren Palastdienste zugebracht, haben als Pagen mit den osmanischen Prinzen gespielt, und sich gemeinsam in den militärischen Übungen der Türken, im Speerwerfen und Bogenschiessen, geübt, sie dienten später ihren Herren bald als Vertrauensleute im Palast, bald als Verwalter oder Vezire in den Statthalterschaften und auf den Kriegsschauplätzen. Im Laufe ihres Dientes bereisten sie das ganze grosse Reich; für sie ist Aegypten, Bagdad oder das kaukasische Grenzgebiet ebenso Dienststelle wie Ofen. Es waren also erfahrene Leute mit gesundem Menschenverstand und klarem Blicke, die, mit vollem Verständnis für die im Frieden von Zsitvatorok festgesetzte Neuordnung und die rechtlich gleiche Stellung der beiden Reiche, die Voreingenommenheit und das übermütige Benehmen ihrer Vorgänger wenigstens im offiziellen Verkehr aufgaben und so reale Unterhandlungen ermöglichten. Eine solche Auffassung war nötig, weil die grundlegenden Friedensverhandlungen, namentlich die dem Friedensvertrag von Zsitvatorok vorangehenden Beratungen, nur in den wesentlichsten Punkten eine Konsolidierung zustandegebracht hatten, vieles andere aber noch 1 s. S. 268.