Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)

Protokolle

Wien, 8. August 1914 Diskussion über weitere Sicherung der Neutralität Italiens. Der Ministerrat verwirft Stürgkhs irreführenden Entwurf eines italienisch-deutschen Vertrags. Der Minister des Äußern, Berchtold, berief sich in seinen einleitenden Worten auf die im Ministerrat vom 31. Juli erfolgte Ermächtigung, die übrigens durch die Neutra­litätserklärung Italiens vom 3. August überholt war, und die besagte, der Minister des Äußern könne Italien im Sinne des Artikels VII des Dreibundvertrages Kompensationen für den Fall in Aussicht stellen, daß Österreich-Ungarn serbische Gebiete andauernder besetzen würde. Darüber hinaus könne er — im Sinne der nunmehr überholt geworde­nen Ermächtigung — Italien Valona versprechen, falls es — nach österreichisch­ungarischer Auffassung — seinen Bündnisverpflichtungen nachkommt, das heißt an der Seite der Monarchie in den Krieg eintritt. Im Falle der Besetzung Valonas durch die Italiener hätte Österreich-Ungarn entscheidenden Einfluß in Nordalbanien bean­sprucht. (Der fragliche Artikel des Dreibundes besagte, wenn es einer der vertrag­schließenden Parteien trotz ihrer Absichten nicht gelingt, den Status quo auf dem Balkan aufrechtzuerhalten und sie genötigt ist, einen Teil der Halbinsel vorübergehend oder dauernd zu besetzen, könne die andere Partei auf im vorhinein festzulegende Kompensation Anspruch erheben. Der italienische Standpunkt war von Anfang an, daß der Begriff »vorübergehende Okkupation« im Laufe der Kriegshandlungen schon durch das Betreten serbischen Bodens erschöpft sei.) — Über die italienische Frage wurde auch am 19. August, 7. und 20. September, 31. Oktober 1914 und am 3. Februar und 8. März 1915 im Ministerrat verhandelt. Protokoll des zu Wien am 8. August 1914 abgehaltenen Ministerrates für gemein­same Angelegenheiten, unter dem Vorsitze des Ministers des k.u.k. Hauses und des Äußern Grafen Berchtold. K.Z. 62. - G.M.K.P.Z. 515. Gegenwärtige: der k.k. Ministerpräsident Graf Stürgkh, der kgl. ung. Ministerpräsident Graf Tisza, der k.u.k. gemeinsame Finanzminister Dr. Ritter von Bilinski, der k.u.k. Kriegsminister FZM. Ritter von Krobatin, der k.u.k. Chef des Generalstabes G.d.I. Freiherr Conrad von Hötzendorf, der kgl. ung. Minister am Allerhöchsten Hoflager Freiherr von B u r i á n, der Stellvertreter des k.u.k. Marinekommandanten Konteradmiral von K a i 1 e r. Schriftführer: Legationsrat Graf H o y o s. Gegenstand: Die Kompensationsforderungen Italiens. Der Vorsitzende eröffnet die Konferenz, indem er darauf hinweist, der letzte Ministerrat habe den Beschluss gefasst, dass der Versuch gemacht werden solle, Italien zu befriedigen. Er sei ermächtigt worden, Italien eine Kompensation in Aussicht zu stellen, falls wir Gebiete am Balkan dauernd besetzten und falls Italien seinen Bundespflichten nachkomme. Dieser Beschluss sei durch die Ereig­nisse überholt, Italien habe sich, trotzdem offenbar der casus foederis vorliege,

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