Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)

Protokolle

von B i 1 i n s k i, der k.u.k. Kriegsminister FZM. Ritter von K r o b a t i n, der k.u.k. Chef des Generalstabes G.d.I. Freiherr Conrad von Hötzendorf, der Stellvertreter des Marinekommandanten Konteradmiral von K a i 1 e r. Schriftführer : Legationsrat Graf H o y o s. Gegenstand : Die bevorstehende diplomatische Aktion gegen Serbien. Bevor der gemeinsame Ministerrat sich konstituiert und der Vorsitzende die Sitzung eröffnet, findet eine formlose Besprechung über die Redaktion der an Serbien zu richtenden Note statt und wird deren definitiver Text festgestellt. 1 Der Vorsitzende eröffnet hierauf den Ministerrat und beantragt, dass die Note der königlich serbischen Regierung am Donnerstag, den 23. Juli um 5 Uhr nachmittags überreicht werde, so dass die 48-stündige Frist am Samstag den 25.1. M. um 5 Uhr nachmittags ablaufe und die Mobilisierungsverordnung noch in der Nacht von Samstag auf Sonntag hinausgegeben werden könne. Nach Ansicht des Grafen Berchtold ist es nicht wahrscheinlich, dass unser Schritt noch vor der Abreise des Präsidenten der französischen Republik von Petersburg bekannt wer­den wird, aber selbst wenn dies der Fall wäre, würde er hierin keinen grossen Nachteil erblicken, nachdem wir den Courtoisie-Rücksichten genügt hätten, in­dem wir das Ende des Besuches abgewartet hätten. Dagegen würde er sich aus diplomatischen Gründen entschieden gegen eine weitere Verschiebung ausspre­chen müssen, da man schon jetzt beginne in Berlin nervös zu werden und Nach­richten über unsere Intentionen schon nach Rom durchgesickert seien, so dass er nicht für unerwünschte Zwischenfälle gutstehen könnte, wenn man die Sache noch hinausschieben würde. Mit Rücksicht auf diese Erklärung des Vorsitzenden wird einstimmig beschlos­sen, dass die Note am 23. um 5 Uhr nachmittags zu übergeben sein wird. Der kgl. ung. Ministerpräsident behält sich vor, falls die Nachricht von der Überreichung des Ultimatums schon am Donnerstag abends aus Belgrad nach Budapest gelangt sein sollte, im ungarischen Abgeordnetenhause eine Erklärung abzugeben. Dies wird zur Kenntnis genommen. Der Chef des Generalstabes betont, dass er auch aus militäri­schen Gründen eine möglichst rasche Initierung der Aktion für wünschenswert halten würde. Die ihm in der letzten Zeit aus Serbien zugekommenen militäri­schen Nachrichten hätten etappenweise 3 Situationen ergeben. Anfangs hätten grössere Truppenansammlungen mit starken Ständen an der bulgarischen und albanesischen Grenze stattgefunden; in der zweiten Situation seien Meldungen über Mannschaftssendungen nach dem alten Serbien gemeldet worden, diese hatten sich aber dann als ungefährlich herausgestellt, indem es sich nur um einen Austausch von Reservisten gehandelt habe ; seit drei Tagen erhalte er aber wieder ernstere Nachrichten. Zuerst sei ihm gemeldet worden, dass zwei Regimenter, das 6. und 17. aus Neuserbien nach Altserbien geschoben worden sei­1 Den Text der Note s. Österreich-Ungarns Außenpolitik. Band VIII, Nr. 10395.

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