Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)

Einleitung: Die Entstehung des gemeinsamen Ministerrates und seine Tätigkeit während des Weltkrieges

Kritik derartiger schriftlicher Dokumente nicht mit der Untersuchung der äußeren und der inneren Merkmale des Dokuments begnügen dürfen, sondern daß wir die bei der Untersuchung gewonnenen Daten in den Zusammenhang der zeit­genössischen gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse stellen müssen. Nur derart tiefgreifend aktenkundliche Untersuchungen können die Frage beantworten (auf die ich übrigens weiter oben eine provisorisch gedachte, überbrückende Ant­wort gegeben habe), was der eigentliche Zweck der Verfügungen Aehrenthals im Zusammenhang mit diesem Beratungsprotokoll eigener Art war. Diese Protokoll­form erinnert an die Votumbögen des Staatsrats im 18 — 19. Jahrhundert, ebenso wie das Vorgehen Aehrenthals, der seine Ministerkollegen als höchste Ratgeber der Krone nur anhörte, an die Politik seiner Vorgänger ein Jahrhundert früher erinnert. Ebenfalls mit Anwendung gesellschaftsgeschichtlicher Gesichtspunkte wird bereinigt werden müssen, weshalb die Erörterung eines für Europa, ja für die ganze Menschheit derart schicksalsschweren Schrittes, wie der Kriegserklärung, außer­halb des eigentlichen Ministerrates erfolgte. So müssen wir alle Fragen betrachten, über die außerhalb des Protokolls die Rede war. Die bürgerlichen parlamentari­schen Verhältnisse haben offenbar eine schriftliche Festlegung derartiger Fragen nicht vertragen und deshalb finden sich in den Protokollen keine Spuren der meritorischen Debatte. Wie im Zeitalter des Feudalismus keine der auf höchster Regierungsebene behandelten Fragen eine den Ministerratsprotokollen ähnliche Verewigung in Protokollen erfordert oder vertragen hätte (so erscheinen die feudalen gesellschaftlichen Verhältnisse auf aktenkundlicher Ebene!).

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