Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Alfons Žák: Das Stiftsarchiv in Geras (Niederösterreich)

94 Alfons Záb. im Original nicht vorhanden.1) Um so wichtiger sind zirka acht Kopien, deren Original in Geras verlorengegangen ist. Die Einteilung des Kopial- buches ist nach Materien (z. B. Privilegien, Präsentationen, Kaufbriefe etc.) und Ortschaften getroffen, alles bunt durcheinandergestellt, an der Spitze steht ein einfacher, chronologischer Index. Seit der Wiederherstellung des Stiftes (1627) wurden auch die meisten Akten aufbewahrt, seit 1684 kamen auch die Akten des Stifts­gutes Theras, 1760 die der Allodialherrschaft Walkenstein dazu. Im Jahre 1783 wurde das Archiv des aufgehobenen Stiftes Pernegg nach Geras übertragen und sogleich dem Geraser Stiftsarchive gänzlich einver- verleibt; so flössen wieder die Archivalien der Mutter und der Tochter in eine Quelle zusammen. Erst am Ausgang des 18. Jahrhunderts fand sich im Stifte Geras der richtige Mann, Chorherr Hieronymus Josef Alram (geb. 1754 zu Gmünd, gest. am 10. März 1825 als Prior und Archivar im Stifte), der im Jahre 1778 zum Priester ordiniert, jahrelang das Stiftsarchiv, namentlich die Akten ordnete und studierte, die Früchte seiner Arbeit in den dreibändigen Annalen des Stiftes Geras (1153 bis 1780) im Jahre 1791 und in den zweibändigen Diplomatischen Merk­würdigkeiten des Stiftes Pernegg (1153—1783) im Jahre 1796 hinter­legte, viele Pfarrgedenkbücher (Drosendorf, Banzern, Fratting, Eibenstein, Blumau, Japons und Weikartsehlag) verfaßte, zahlreiche Kopien von Ur­kunden anfertigte, wovon zwei Sammlungen (St. Klara in Wien und St. Bernhard) im Stiftsarchive liegen. In den Annalen des Stiftes Geras und Pernegg, auch in den Pfarrgedenkbüchern hat Alram die meisten einschlägigen Urkunden ganz oder teilweise kopiert.2) Von Alrams Hand rühren auch die meisten Umschläge und Titel der Aktenfaszikel her. Wie im 18., so führte auch im 19. Jahrhundert, wenn es der Personalstand des kleinen Stiftes erlaubte, der eine oder andere Chorherr den Titel eines Stiftsarchivars, aber nur Hugo Ille (gest. 1888) verwendete auf die Ordnung des Archivs'(1851 —1867) einige Mühe und legte ein Verzeichnis (alphabetisch nach Materien und Ortschaften geordnet) an. Demnach wurden von ihm die gesamten Akten und Urkunden geordnet und sind es noch heute, obwohl nicht mehr ganz in der ursprünglichen Ordnung. Erst im Jahre 1890 wurden die Urkunden vom Schreiber dieses ausgeschieden, chronologisch geordnet, jedes Stück wurde mit einem Kuvert und Titel versehen, die Sammlung nachträglich vermehrt, und ein 1) Schenkung an die Pfarre Aigen bei Raabs d. d. 24. Juni 141(5 (cf. Fontes Rer. Austr. XXI. 305) und ein Kaufbrief über zwei Weingärten zu Rohrendorf vom Jahre 1457 (cf. Keiblinger, Melk, I, 592). Cf. unten Urkunde Nr. 154. 2) Cf. Monatsblätter für Landeskunde von Niederösterreich Vili, S. 354 ff. Blätter des Vereines für Landeskunde von Niederösterreieh 1891, S. 165, und die Zisterzienser-Chronik (Bregenz 1902), S. 327 ff.

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