Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Dr. Eduard Straßmayr: Das Archiv der Kirchdorf-Micheldorfer Sensenwerksgenossenschaft im Landesarchiv zu Linz

Das Archiv der Kirehdorf-Micheldorfer Sensenwerksgenossenschaft zu Linz. 77 haben. Leider ist zu befürchten, daß die oberösterreichische Sensen­industrie infolge des gegenwärtigen Krieges mit Kußland, das bisher Hauptabnehmer, zugleich aber auch größter Schuldner war, weitere schwere Schläge erleiden werde. Gelegentlich der Landes-Handwerkerausstellung zu Linz im Jahre 1909 wurde Oberösterreichs Industrie und Handwerk in alter Zeit auch durch eine reichhaltige Sammlung von Zunftarchivalien illustriert. Diese historische Ausstellung, welche das oberösterreichische Landesarchiv durchführte, zeitigte den großen Gewinn, daß ein Überblick über die im Lande vorhandenen Archivalien der Zünfte geschaffen wurde. Im Jahre 1910 gab über Ersuchen des Landesarchivs die k. k. Statthalterei an sämtliche Bezirkshauptmannschaften einen Erlaß hinaus, demzufolge die Genossenschaften auf den Wert der Zunftaltertümer und historischen Schriften aufmerksam gemacht und zu deren geeigneter Aufbewahrung- verhalten wurden. Gerade die Archive der Zünfte haben im Laufe des 19. Jahrhun­derts die schwersten Verluste erlitten. Infolge des häufigen Wechsels der Genossenschaftsvorsteher wunderte die Handwerkslade mit den alten Schriften von einem Ort zum andern. In der oft jahrelang nicht geöff­neten, in einem Rümpfen Kaum untergebrachten Truhe gingen die Ar­chivalien zugrunde, die Antiquitätenhändler erlangten zu den wenig oder gar nicht gehüteten Urkunden und Akten leicht Zutritt, und so kam es nicht selten vor, daß Handwerksordnungen, Zunftbücher u. dgl. ins Aus­land verschleppt wurden und erst wieder in Antiquariatskatalogen zu horrenden Verkaufspreisen zum Vorschein kamen.* 2) Es ist als ein Glück zu bezeichnen, daß ein Bestand, der für die Erforschung der oberösterreichischen Wirtschaftsgeschichte von hervor­ragender Bedeutung ist, das Archiv der Sensenwerksgenossenschaft Kirch­dorf-Micheldorf, in unsere Tage herübergerettet wurde und so durch vier Jahrhunderte die große Vergangenheit der einheimischen Sensenindustrie verfolgt werden kann. Nicht weniger als 48 umfangreiche Faszikel bergen das wertvolle Aktenmaterial, aus dem wir die emsige Fürsorge der Zunft für die Erhaltung der alten Dokumente ersehen. Die erste Erwähnung der Zunftakten stammt aus dem Jahre 1683. Türkische Heeresmassen standen vor Wien, bis nach Oberösterreich streiften die Horden, überall sengend und brennend. Damals erging der Auftrag *) Betreffs des Schutzes der Zunftarchivalien hat der k. k. Arehivrat am 20. Mai 1914 an alle Konservatoren ein Rundschreiben gerichtet. Mitteilungen des k. k. Archiv­rates, 1, 294. 2) So erwarben das Landesarchiv und das Linzer Museum bei der in Köln im Jahre 1910 veranstalteten Auktion deutscher Zunftaltertiimer aus dem Nordischen Museum zu Stockholm mehrere Archivalien oberösterreichischer Provenienz.

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