Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden

42 Otto H. Stowasser. kam, in irgend einem Zusammenhang gestanden haben. Wir kommen zu dieser Vermutung, weil wir wissen, daß bei anderen Archivstreitig­keiten, nämlich bei denen der Leopoldiner des Jahres 1435, Inventare angelegt wurden.1) Genaueres oder Bestimmtes wissen wir nicht. Mehrfach begegnen wir dann unter der Regierung Friedrichs V. (III.) Inventuren von Urkunden, wie sie von einzelnen Persönlichkeiten an die Kanzlei abgeliefert wurden — Zuwachsverzeichnissen, wie wir heute sagen würden. So hat 1456 und 1461 der Bischof von Gurk eine solche Ein­antwortung vollzogen, 1466 lieferte Andreas am Stain, 1467 Christian Geltprecht Archivalien ein'2), gleichwie ein Verzeichnis der 1462 dem Kaiser aus seiner Kanzlei überantworteten Stücke bei Putsch verzeichnet ist.3) Das sind nicht eigentlich Archivinventare. Wohl aber wurde ein solches über »des haus Österreich sehaczbrief, so zu der Newenstat zu behalten gegeben und durch Petem Khöterer inventiert worden sein anno 1429« angelegt4 5), dem sich das über »des haus Österreich schacz- brief, so in Österreich oder Steir behaltsweis gelegt unnd inventiert worden ungeverlich anno 1447« zeitlich anschließt.4) Dann hören wir noch von einem »inventari etwevil niderösterreichischer brief gemacht anno 1479« und einem anderen »der erbbrief, kauf- und annder briefen, auch geltbrief und urkunden, so in etlichen lädlen gelegen und auf- geschriben sein anno 1481 und 1484 «.ä) Das war der nachweisliche Vorrat an Archivinventaren, mit dem die Zeit Maximilians an ihre Reformen ging. Sie hat diesen Vorrat ver­mehrt. So ist Putsch »ein dick register in gelb pergamen gepunden, darinn sein registriert des haus Österreich sehaczbrief, wie die in etlichen scatein gelegt worden sein ungeverlich anno 1506« Vorgelegen6); es dürfte das Ergebnis der ersten maximilianischen Aktion gewesen sein, deren zweite »zwelf zusamen gepunden sextern, inhaltend die auszug des haws Österreichs Schatzbrief zu Wienn, so durch kaiser Maximilian zu ubersehen bevolhen und angefanngen worden sein anno 1512« 7) als Ergebnis zeitigte. Wie aber diese Behelfe uns heute verloren sind, können wir uns heute auch kein Urteil mehr bilden über die ersten Arbeiten, die Putsch vor 15278) in Wien durchführte; in welchem Verhältnis alle diese Arbeiten, besonders was ihre technische Seite betrifft, zueinander standen, 1) Chmel, Materialien Ib, 30, 10. 2) Putsch I, S. 1342. 3) Ebenda, S. 1345. 4) Ebenda. 5) Ebenda, S. 1342. 6) Putsch I. S. 1344. ’) Putsch IV, S. 179. 8) Vgl. oben, S. 33.

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