Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden

Das Archiv der Herzoge von Österreich. 35 aber kann nach all dem wohl kein Zweifel sein, daß Wilhelm Putsch auch der Anreger der ganzen Aktion war, die ihm nun übertragen wurde. Das fernere Schicksal der zersplitterten Archive des landesfürstlichen Hauses war damit in die Hände eines Mannes gelegt, der sich bereits einer umfassenden Kenntnis der Materie und einer großen Erfahrung rühmen durfte und der die gewaltige Arbeit mit Eifer und einer be­wundernswerten Ausdauer auch durchführte. Hiebei sind, wie schon oben angedeutet wurde, wieder zwei Zeitabschnitte zu unterscheiden. Von 1527 bis 1540 hatte Putsch das Wiener und das Innsbrucker Archiv zu betreuen und — wir werden das im einzelnen noch nachweisen — in übereinstimmender Weise in Ordnung zu bringen. In diesen Jahren reiste er nicht nur zwischen Wien und Innsbruck, um da und dort die Arbeit zu fördern und nach dem Rechten zu sehen; es galt auch, die ober­österreichischen Sachen aus Wien nach Innsbruck und umgekehrt die niederösterreichischen aus Innsbruck nach Wien zu schaffen, was Fer­dinand bereits 1522 angeordnet hatte.1) Schon 1526 hatte Putsch in Innsbruck »ettliche Truhen« mit solchen Urkunden bereitgestellt und zwei im Mai 1527 nach Wien geschafft.2) Ein solcher Austausch war von den Regierungen ja vorgesehen und wurden bereits 1527 von Innsbruck aus auch vier Truhen aus Wien angefordert3), deren Bereitstellung- Putsch der Regierung gemeldet hatte. Auch 1530 hören wir wieder von einem solchen Archivalientausch4) und ferner 1535.5) Daneben hatte ') Mayr, Das k. k. Statthaltereiarchiv zu Innsbruck, Mitteilungen der Zentral- kommission JI, 154. leb habe diese Schrift oft und mit Gewinn benutzt. Vgl. dazu Putsch, Innsbruck III, 850: Ain inventary der brief, register, puecher, rayttungen urbar und sehrifften die niederösterreichischen lannd beruerenndt, so die herrn vom regiment und der eammer zu Ynnspruekh Ulrichen Zeller uberanntwurt haben, die furtter dem hofrat und raiteammer in Österreich zutzuefueren und dabey zween beveleh, solches zu thuen, und ain quittung von ertzherzog Ferdinanden umb sollich hänndl 1522. Ich weiß nicht, ob dieses Inventar in Innsbruck noch erhalten ist. Schon 1503 waren »etliche sehaez- und brieftruhen« von Linz und Innsbruck nach Wien gekommen. Ebenda S. 864 und 865. 2) Innsbruck, Geschäft vom Hof, pag. 73; vgl. auch Causa Domini 1527, Lib. 2, fol 85, und »Embieten und Beveleh«, 1527, fol. 338', sowie »Gemain Missiven«, 1527, toi. 143. 3) Innsbruck, Causa Domini 1527, Lib. 2, fol. 80'. Das Schreiben der Inns­brucker Regierung vom 3. Oktober 1527, in dem als Gegenleistung gegen die über­sendeten niederösterreiehischen Archivalien vier von Putsch bereitgestellte Truhen an­gefordert werden, beruft sieh ausdrücklich darauf, daß die niederösterreiehische Regie­rung »darumb . . . von der kiin. M. gleiehmassen beveleh . . .« habe. Vgl. auch Causa Domini 1527, Lib. 2, fol. 20 vom 6. Mai und »An die K. M.« Lib. 3, fol., 35 vom selben Datum..Dies Mandat ist auch Causa Domini Lib. 2, fol. 403' registriert. Vgl. das Mandat an die Innsbrucker Regierung vom 20. Jänner 1527, Geschäft vom Hof, fol. 117. 4) Siehe Wiener Repertorium, Band I, S. 2, und eigenhändige Briefe Putsch’ von 1529, die im Staatsarchiv unter 1545, Oktober 26, in einem Sammelfaszikel liegen. 5) Mayr, a. a. 0. S. 155.

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