Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)
Dr. Eduard Strassmayr: Das Archiv der Marktkommune Kirchdorf in Oberösterreich
92 Dr. Eduard Straßmayr. Während seiner bisherigen Verwendung hatte er sich stets als ein diskreter Mann gezeigt, der das ihm von den Archivinhabern geschenkte Vertrauen voll und ganz zurechtfertigen wußte. Welch hoher praktischer Wert lag noch damals in den alten Dokumenten! Sie bildeten für den Besitzer den Inhalt seiner geltenden Vorrechte und Privilegien. Die im Archiv verwahrten Urbare und Zehentregister waren die Basis für die Einhebung der Abgaben von den Untertanen, die wiederum alle untereinander oder mit der Grundherrschaft abgeschlossenen Rechtsgeschäfte (Kauf-, Schuldbriefe, Testamente, Kontrakte) bei ihrer Obrigkeit als der zuständigen Amtsstelle urkundlich fixieren ließen und dort diese Schriftstücke deponierten. Verläßlichkeit und Verschwiegenheit waren die Grundbedingung für eine Person, die mit der Registrierung eines Archives betraut wurde. Neben diesen Eigenschaften, die Trauner in besonderem Maße eigen waren, konnte er auch auf eine zehnjährige Praxis im Archiv- und Registraturfache zurückblicken, als er seine Tätigkeit in Kirchdorf begann. Nach einem halben Jahre hatte er sich seiner Aufgabe entledigt und am 9. Mai 1777 von Richter und Rat ein Anerkennungsschreiben für die vortreffliche Durchführung, Verschwiegenheit und das liebenswürdige Betragen erhalten.1) Ein glücklicher Zufall hat es gewollt, daß das Repertorium auf uns gekommen ist, aus dem wir das Ordnungsprinzip und die ganze Arbeitsweise Trauners genau ersehen können. Ein umfangreicher Band in braunem Leder trägt am Rücken in goldenen Lettern die Aufschrift: Markt Kirchdorferische Registratur 1777. Der Verfasser hat seinen Namen nirgends ersichtlich gemacht, läßt sich aber in der Person Trauners aus dem Schriftenvergleich mit anderen von Trauner signierten Repertorien unzweifelhaft feststellen. Wie bereits in verschiedenen Archiven konstatiert werden konnte, zeichnen sich seine Repertorien durch gute Übersicht, schöne Schrift, Sorgfältigkeit und Sauberkeit aus. Der gesamte Bestand des Kirchdörfer Archives war an drei Stellen des Rathauses untergebracht: Im eigens hiezu geschaffenen Archivraum, Ratsessionszimmer und in der Bürgerlade. Letztere bezeichnet Trauner als eine »wohlverwahrte truhe; hierinnen befinden sich jene original-instrumenta, an welchen sehr villes gelegen ist«, demnach die Marktfreiheiten, Stiftbriefe und Kontrakte. Die Akten — Handschriften (gebundene Bücher) fanden in der Archivordnung keine Berücksichtigung — ruhten in 137 Laden, durch Spagat zu kleinen Päckchen zusammengebunden und mit einem Papierumschlage versehen, der die Signatur, Jahreszahl und eine kurze Inhaltsangabe trug. Auf einen späteren Schriftenzuwachs nahm Trauner fürsorglich Bedacht, l) Gleichzeitige Abschrift im Landesarchiv Linz, Stiftsarchiv Gleink, Archiv- geschichtliches.