Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)
Dr. Andreas Mudrich: Das Salzburger Archivwesen
Das Salzburger Archivwesen. 31 und Akten des Domkapitels sehr ordentlich übergeben habe.’) Am 30. Juli 1806 gingen sie zugleich mit dem Geheimen Archiv nach Wien ab.l 2) Ende September wurden auch die jüngeren Urkunden von 1740 ab, welche behufs Abschriftnahme zurückgeblieben waren, vom Hofkommissär Grafen Bissingen reklamiert. Zum Schluß dieses Jahres wurde auch das Archiv und die Registratur des Domdekanates zur Auslieferung vorbereitet. Die in Salzburg zurückgebliebenen Reste des Archivs bestanden aus einer ziemlichen Anzahl von Urkundenkopien, die Penkher in der Eile vor der Übergabe von den Originalen getrennt hatte, und anderen Akten, welche zusammen noch eine »bedeutende Sammlung* ausmachten. Sie wurden bei der Säkularisation des Domkapitels dem Inventurs- und Übernahmskommissär Regierungsrat und Fiskal v. Russian samt den (von Penkher angefertigten) Verzeichnissen übergeben und bei der provisorischen Landesregierung deponiert. Auch die Registratur sowie die Protokolle blieben in Salzburg. Mit ihrer Besorgung wurde der ehemalige domkapitlische Registrator Anton Raming betraut. Nach dessen Bericht (April 1807) waren 121 Schubladen mit geordneten, 56 mit ungeordneten Akten gefüllt. Außer diesen waren die noch immer ungeordneten, packweise zusammengebundenen Akten, die seit 1718 bei den Kapitelsitzungen Vorgelegen waren (Sessionsstücke), vorhanden. Diese Bestände waren der Gefahr der Verschleppung ausgesetzt, seitdem sie 1806 der Tabakniederlage den Platz räumen und im ehemaligen Kapitelzimmer untergebracht werden mußten, in das auch andere Personen Zutritt hatten. Die Zersplitterung der domkapitlischen Archivalien hatte jedoch hiemit noch nicht ihr Ende erreicht. Als Bayern von Salzburg Besitz ergriff, wurde der ehemalige Sekretär Penkher aufgefordert, jene neun Spezifikationen über die Domkapitelurkunden, Akten und Bücher, welche 1806 nach Wien abgeschickt wurden, der provisorischen Landesregierung vorzulegen.3) Diese übergab sie (26. Oktober 1810) dem Hofkommissär Grafen Preysing, der sie nach München weiter leitete. Auch die Verzeichnisse der in Salzburg zurückgebliebenen Archivalien wurden gesucht, waren aber, seitdem der Regierungsrat Fellner sie übernommen hatte (1807), nicht auffindbar.4) Die wichtigeren Stücke zog nun das in Salzburg errichtete Urkundensammlungsbureau an sieh, und zwar (bis Ende 1811) an Urkunden 318 Originale und 754 Kopien. Diese wurden wohl infolge des Auftrages vom 13. April 1816, Z. 994, nach München gel) Domkapitel II, 6, Hh. Sowohl das Domkapitel als der Hofkommissär empfahlen Penkher der Staatsregierung zur besonderen Berücksichtigung, da er viel Mühe, Zeit und Kosten auf die Ordnung des Archivs aufgewendet habe.-) Vgl. S. 19. 3) Gen.-Kommissariat, St. Salzburg 13. *) Von diesen Spezifikationen und Verzeichnissen liegen keine Abschriften vor.