Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)

Kleinere Mitteilungen - Prof. Georg Schmidt: Au westböhmischen Archiven. Zweiter Bericht

320 Kleinere Mitteilungen. 20. Plan. A. Stadtarchiv. Unter den deutschen Städten Westböhmens hat (von Eger selbst­verständlich abgesehen) die Stadt Plan nicht nur das reichhaltigste, sondern, was sehr ins Gewicht fällt, allein ein trefflich geordnetes Stadt­archiv. Dies erklärt sich einerseits aus dem regen wirtschaftlichen Leben der einst schutzuntertänigen Stadt, anderseits aus dem lebhaften Ge­schichtssinn einzelner Bürger und Geistlichen, von dem zahlreiche im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts abgefaßte Stadtgeschichten Zeugnis ablegen. Diese handschriftlichen Stadtchroniken sind unten verzeichnet. Daher hat auch die Geschichte der Stadt und der Herrschaft Plan in neuerer Zeit verhältnismäßig viele und ausführ­liche Bearbeitungen gefunden; doch können die »Geschichte der Stadt und Herrschaft Plan« von Ed. Senft (1876) und die »Geschichte der Stadt Plan« von Georg Weidl (1883) den Forderungen wissenschaftlicher Darstellung kaum genügen. Die »Notizen zur Heimatskunde des Gerichts­bezirkes Plan« von M. U. Dr. Michael Urban (1884) und die »Heimat­kunde des politischen Bezirkes Plan« von Georg Weidl, M. U. Dr. Michael Urban und Ludwig Hammer (1896) bewegen sich eben nur im Bahmen von Bezirkskunden. Manche der fleißigen Benützer des Planer Stadt­archivs, auch städtische Beamte, wie der Kassier Threin (1896], haben die gute Ordnung des Archivs äußerlich noch durch wiederholte Be­zeichnungen, zuletzt durch die Anlegung eines vollständigen, wenn auch bescheidenen Zettelkatalogs festgehalten. Dieses unerläßliche Hilfsmittel für eine rasche Übersicht und leichtere Benützbarkeit eines Archivs findet sich in Westböhmen (Eger natürlich ausgenommen) sonst nirgends. Da­gegen kann es nicht scharf genug verurteilt werden, daß nichtfach­kundige Archivbenützer einzelne Archivalien in gröblicher Mißachtung der geschichtlichen Denkmäler durch Anstreichungen und sogar durch persönliche Bemerkungen auf die rücksichtsloseste Weise entstellt haben. Das Bürgermeisteramt wie das Pfarramt wurden ersucht, die Archiv­bestände vor solchen Beschädigungen in Zukunft sichern zu wollen. Das Bürgermeisteramt (Bürgermeister Herr Anton Ingrisch, Stadtsekretär Wenzel Wiederer) hat zum Abschlüsse der Ordnung dem Stadtarchive in dem vor kurzem durchgeführten Neubau des Rathauses (Bürgermeister­zimmer im zweiten Stockwerk) auch eine würdige und sichere Unterkunft verschafft. In einem festen Eichenschrank bergen eigene handliche Papp­schachteln die nach Stoffen gesonderten Urkunden und zahlreichen Akten. Die vielen Zunftarchivalien und anderen Bestände sind in dem netten Stadtmuseum (in einem Zimmer des alten Schulhauses) zweckmäßig und gesichert untergebracht.

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