Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)
Dr. Andreas Mudrich: Das Salzburger Archivwesen
26 Dr. Andreas Mudrieh. Seine noch vorhandene »Beschreibung über die Schriften, so in dem Ge wölb nächst der Kapitelstuben findig sein«, gibt uns über einen großen Teil der älteren Bestände aus dem 13. bis 17. Jahrhundert Aufschluß.1) Sie waren in 58 »Paggete« (553 Nummern) ziemlich planlos zusammengebunden und enthielten Kauf-, Leibgedings- und Tauschbriefe, Vergleiche und Reverse, betreffend die Güter, Zehente und Häuser in den einzelnen Domkapiteln, Urbarämtern und in den Städten Salzburg und Hallein (400 Nummern); Urkunden und Akten über vom Kapitel zu besetzende geistliche Pfründen: Pfarren in Salzburg, Laufen und Siezenheim, Propsteien Högelwört und St. Andrä im Lavanttale, die St. Johanniskapelle am Hof und die Schloßkapelle in Mauterndorf; desgleichen über das Bistum Seckau; auch einige kaiserliche und andere Schutzbriefe, Schenkungen und Verträge, das Erzstift betreffend. Den Gesamtbestand des Archivs umfaßte dieses Repertorium wohl nicht. Die Schlüssel zum Archiv verwahrten der Domdechant und der Kapitelsyndikus. Später wurde auch dem Bischof von Chiemsee einer eingehändigt.l 2) Die nächste Arbeit galt den bei der domkapitlischen Anwaltschaft liegenden Schriften (1652). Mit ihrer Ordnung wurde der domkapitlisehe Eleemosynarius Seb. Holtzmann gegen eine monatliche Rekompens von 15 fl. beauftragt. Über Alter und Inhalt dieser Schriften sind wir nicht unterrichtet. Behufs sicherer Aufbewahrung wurden zwei große hölzerne Kasten angeschafft und im Kapitelhaus nächst der Bibliothek aufgestellt.3) Im Archiv hatten sich seit der letzten Registrierung wieder eine Menge unverzeichneter Urkunden und Akten angehäuft. Der Anstoß zu ihrer Ordnung und Registrierung dürfte wohl der damalige Domdechant Wilhelm Freiherr von Fürstenberg4) gegeben haben. Auf Ersuchen des Kapitels unterzog er sich mit den Domherren Grafen von Castelbarco und Grafen von Wolkenstein und dem Syndikus von Schidenhofen dieser Aufgabe.5) »Die wichtigsten Schriften und Dokumente wurden nach ihrer Zusammengehörigkeit« in 24 Schubladen hinterlegt und zwei Verzeichnisse — für den Kapiteltisch und für die Registratur — angefertigt. Eines derselben: »Registratur eines hochw. Thumbkapitels geheimen Hauptarchivs« ist noch vorhanden6) und zeigt, daß nicht nur planlos eine Lade nach der anderen gefüllt wurde, sondern auch einzelne Laden einen bunten Inhalt hatten. l) Archiv, XI, 109. J) Domk.-Prot. 1652, f. 25. 3) Ebenda 1653, f. 189, 402, 452. 4) Vgl. oben S. 14. 5) Domk.-Prot. 1680, f. 154. 1687, Mai 8. 6) Archiv, XI, 110.