Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)
Dr. Franz Martin: Das gräflich Kuenburgsche Archiv im Langenhof zu Salzburg
Das gräflich Kuenburgsche Archiv im Langenhof zu Salzburg. 101 kommende Geld oder Mittls solchen neuerkaufte Unterthanen und Gülten als ein anstatt des verkauften Guts fideicommissarie substituierte Äquivalent gleich den andern Hab und Gütern dem Fideicommisso wirklich incorporiert und einverleibt seyn und bleiben sollen.« In der Tat wurden das »Sternhaus« und der Sitz Aigen 1727 verkauft1) und dafür die gräflich Lambergschen Zehente und Untertanen in Tittmoning erworben.2) Das Fideikommiß fand am 20. April 1719 durch Erzbischof Franz Anton Fürsten Harrach die landesherrliche Bestätigung. Die Inhaber desselben waren: Johann Josef Graf Kuenburg bis 1726, Max Josef bis 1773, Franz Josef bis 1786, Leopold bis 1812. Während der bayrischen Regierung wurde durch das allgemeine Edikt vom 22. Dezember 1811 das Fideikommiß aufgelöst. Die nunmehr freieigen erklärten Güter besaßen seitdem: Karl bis 1843, Karl bis 1884, seit 1891 Leopold Graf Kuenburg, k. u. k. Kämmerer und k. k. Hofrat a. D., Fidei- kommißherr auf Khünegg. Die Zusammensetzung der Grundherrschaft Langenhof aus verschiedenen kleineren spiegelt sich auch im Archiv, besonders in den Urkunden, indem die Kaufbriefe und Besitztitel der früheren Besitzer schließlich im Kuenburgschen Archiv aufgegangen sind, was sich, graphisch dargestellt, etwa mit dem Einzugsgebiete eines stehenden Gewässers vergleichen ließe. Leider reichen die Urkunden, von wenigen Stücken abgesehen, nicht über das 16. Jahrhundert hinauf. Wie aus dem Archivinventar von 1729 hervorgeht, waren auch damals keine älteren vorhanden, überhaupt dürften wenig Verluste zu beklagen sein; nur einige 1729 in Salzburg vorhandene Familiendokumente sind nicht mehr vorhanden und dürften wohl in Jungwoschitz zu suchen sein. Die Urkunden waren ungeordnet und trugen keinerlei Signatur. Bei der Neuordnung wurden sie in neun Gruppen geteilt: I. enthaltend die Familiendiplome; II. Ecclesiastica, insbesondere Ernennungen und Konfirmationen der Bischöfe, Kanonikatsverleihungen, Retentionsbullen, kirchliche Stiftungen; III. Langenhof; IV. Schloß Frohnburg oder Grafenau; ’) Die »Behausung am Markt« (Sternhaus, heute Ludwig Victorplatz 3) wurde 1670 durch Johann Josef Grafen K. von Franz Malkneeht zu Mülegg um 7000 fl. gekauft und 1727 vom Grafen Max Josef um 1100 fl. an den Handelsmann Martin Schuster verkauft; an diesen wurden auch die »Hausbriefe« ausgefolgt, weshalb sieh in unserem Archiv darüber nichts findet. Dagegen scheint der Käufer des Sitzes Aigen (vgl. Urkunde n. 228), der ehemalige gräfliche Unterthane aus Assing, dann Sekretär des Grafen Max Josef und endlich mit dem Prädikate »von Badamberg« in den salzburgischen Adelsstand erhobenen Franz .Josef Waldherr keinen Wert auf die alten Besitztitel des Gutes gelegt zu haben, die sämtlich im Archiv des Verkäufers verblieben sind. s) Vgl. Urkunde n. 231.