Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)
Sitzung des k. k. Archivrates vom 6. Mai 1913. Auszug aus dem Protokoll
Protokoll der Sitzung des k. k. Archivrates. 293 Zu Punkt 5 der Tagesordnung stellte Professor Dr. Bretholz namens des Geschäftsausschusses einen Antrag betreffs systematischer Verzeichnung der autonomen und privaten Archive, welcher auch die Publikation des Ergebnisses dieser Verzeichnungen als »Archivberichte« sowie Ausgaben derselben in den einzelnen Landessprachen vorsieht. Der Antrag wurde nach eingehender Debatte angenommen. Hierauf wurde als sechster Punkt der Tagesordnung ein Antrag des Geschäftsausschusses betreffs Schaffung einer Übersicht über die nicht fachmännisch verwalteten staatlichen Archivbestände (Referent Hofrat Doktor Redlich) in Verhandlung gezogen. Der ausführlich motivierte Antrag, welcher Erhebungen über den Umfang dieser Archivalien als eine Vorarbeit für deren gesicherte Unterbringung und systematische Konzentrierung in den staatlichen Archiven bezeichnet, wurde allgemein mit lebhaftem Interesse aufgenommen. Nach längerer Debatte, an der sich auch mehrere Vertreter der Ministerien beteiligten und eine Förderung der in Rede stehenden Aktion seitens der von ihnen vertretenen Ressorts in Aussicht stellten, wurde der Antrag des Geschäftsausschusses unverändert angenommen. Eine Anregung des Hofrates Dr. Goll, der Archivrat möge dem unzulänglich untergebrachten Allgemeinen Archiv des Ministeriums des Innern sein Augenmerk zuwenden, wurde zur Kenntnis genommen. . Bei Beratung des von Hofrat Dr. Celakovsky gestellten Antrages betreffs entsprechender Unterbringung, Leitung und Beaufsichtigung der böhmischen Landtafel in Prag (Punkt 7 der Tagesordnung) erteilte der Vertreter des Justizministeriums Sektionsrat Dr. Stiasny Aufklärungen über die seitens dieser Zentralstelle im Sinne des vorliegenden Antrages geplanten Maßnahmen, die mit Befriedigung zur Kenntnis genommen wurden. Der Antrag des Hofrates Dr. Celakovsky wurde sodann nach kurzer Debatte zum Beschluß erhoben. Hierauf begründete Landesarchivar Dr. Vancsa den von ihm ein- gebrachten Antrag auf Sicherung der Gemeindearchive (Punkt 8 der Tagesordnung); er beantragte, den Landesausschüssen derjenigen Länder, die den ihnen unterstehenden Gemeindearchiven bereits ihre Fürsorge zuwenden, die Zustimmung auszudrücken und zunächst den niederösterreichischen Landesausschuß zu ersuchen, er möge die Gemeinden dazu verhalten, daß sie ihre Archive entweder entsprechend verwahren und verwalten oder dem Landesarchiv als Depot übergeben. Nachdem mehrere Mitglieder ihre Zustimmung zu diesem Antrag ausgesprochen hatten, gelangte derselbe zur Annahme. Zu Punkt 9 der Tagesordnung (Eventualia) lenkte Hofrat Dr. v. Ottenthal die Aufmerksamkeit des Archivrates auf die namentlich in den unteren Rangsklassen ungünstigen Avancementsverhältnisse im