Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)
Friedrich Schneller: Zum Archivwesen in Italienisch-Tirol
Archivwesen in Italienisch-Tirol. 227 zu treten, um den gefaßten Plan auszuführen. Dazu kam, daß im gleichen Jahre der eben zum ersten Male erscheinende S. Marco in seiner Vorrede auch die Absicht aussprach, in seinem beschränkten Gebiete eingehende Archivforschungen vorzunehmen. Da schien man zu einem entscheidenden Wendepunkte gelangt zu sein. Im Januar 1910 trat nämlich die jüngste welschtirolische Zeitschrift »Pro Cultura« ins Leben und schon in ihrem ersten Hefte machte Professor Gino Onestinghel1), nachdem er, von der weiter oben erwähnten, im Arch. Trent, veröffentlichten Aufforderung Campis ausgehend, kurz den Stand der Frage dargelegt, den gewiß sehr vernünftigen Vorschlag, alle oben erwähnten Gruppen: Archivio Trentino, Tridentum, Professor Reich, Associazione univ. cattolica und San Marco sollten sich über ein gemeinsames Vorgehen verständigen und der sonst drohenden Zersplitterung durch Ausarbeitung einer allgemein gültigen Instruktion steuern. Diese Anregung des Trienter Professors schien auf fruchtbaren Boden zu fallen. Bereits im Juni 19102) fand zu Trient eine vorbereitende Zusammenkunft der Vertreter aller obigen Richtungen statt, welche noch einmal betonte, die Accademia degli Agiati in Rovereto (als Verwalterin des dortigen Notariatsarchivs) und die Biblioteca civica in Trient sollten nach Kräften die Einverleibung von Gemeindearchiven betreiben und weiter einem Komitee den Auftrag erteilte, alles Nötige behufs einer gemeinsam zu vollführenden Erforschung der Archive vorzubereiten. Nachdem in einer zweiten, im Juli desselben Jahres in Trient erfolgten Versammlung die Vorschläge dieses Komitees angenommen worden waren, konnte die Oberleitung, bestehend aus den Professoren G. Onestinghel, D. Reich und Don S. Weber in Trient und aus Cav. Q. Perini und Prof. E. Zucchelli in Rovereto ernannt werden, welche auch die Aufgabe hatten, mit dem Bischöfe von Trient (wegen der Kirchenarchive) und mit der k. k. Zentralkommission in Fühlung zu treten. Zunächst wurden als Arbeitsgebiet die Bezirkshauptmannschaften Trient und Rovereto bestimmt, wo sich Unterkomitees bildeten. Dann aber sollte auch in den übrigen Teilen Welschtirols geforscht werden und dazu wurden schon damals mehrere Mitarbeiter namhaft gemacht. Auch eine allgemein geltende Instruktion findet sich aufgestellt, welche im ganzen und großen mit der deutschtirolischen übereinstimmt; doch sollten die Urkundenregesten bis 1650 heraufgeführt werden. So war man ja zu einer allgemeinen Einigung gelangt. Die Frage ist nun, wie es mit der tatsächlichen Ausführung steht. Außer wenigen 0 0. G., L’ Esplorazione degli archivi trentini. Pro Cultura 1. (1910), S. 43. s) Vgl. O(nestingkel) G., L’ Esplorazione degli arehivi trentini. Ebenda. I, S. 348. »San Marco« erklärte seine Zustimmung in: Zucchelli E., Lo studio degli arehivi trentini. S. Marco. II, S. 36.