Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Friedrich Schneller: Zum Archivwesen in Italienisch-Tirol

Zum Archivwesen in Italienisch-Tirol. Von Friedrich Schneller. Nachdem die »Archivberichte aus Tirol« für Deutsch-Tirol ab­geschlossen vorliegen und reichen historischen Stoff nachgewiesen haben, dürfte der folgende Bericht über archivalhche Verhältnisse und Be­strebungen im italienischen Tirol des Interesses nicht entbehren. Wenn man vielfach über den jetzigen üblen Zustand der dortigen Archive klagen hört, so darf man nicht außer acht lassen, daß verhältnis­mäßig früh, und zwar bekanntlich noch im 18. Jahrhundert, in der Zeit eines Benedetto Bonelli und Giangrisostomo Tovazzi eine erfreuliche Wendung zum Besseren eingetreten war. Damals besaßen die welsch- tirolischen Archive einen viel reicheren Bestand als jetzt, damals befand sich das bedeutendste von allen, das fürstbischöfliche, noch ungeteilt in Trient. Bonelli, Tovazzi und andere Forscher hatten eine ungemein eifrige Tätigkeit entfaltet, welche nicht bloß auf die Anlage von Samm­lungen zahlreicher Abschriften interessanter und jetzt zum Teil ver­schollener Urkunden — Sammlungen, die noch heute in Trient aufbe­wahrt werden und ergiebige Fundgruben bilden — sondern auch auf Neuordnung der Archive selbst und Abfassung von Bepertorien usw. sich erstreckte. Noch heutzutage sind hier und dort die von jenen Männern gewählten Signaturen maßgebend und erleichtern die von ihnen verfaßten Repertorien dem Forscher das Auffinden und die Benützung von Archivalien. Leider bereitete dann die verhängnisvolle Napoleonische Periode diesem segensreichen Wirken ein jähes Ende und auch die zunächst folgende Zeit war nicht geeignet, ein stärkeres historisches Interesse zu erwecken. Manches Archiv wurde verschleppt, viele Archivalien gingen durch Feuer oder infolge mangelhafter Aufbewahrung verloren, wie es freilich damals auch in vielen anderen Ländern geschah. Und so ist es gekommen, daß man — von einzelnen rühmlichen Ausnahmen abge­sehen — im allgemeinen erst in den allerletzten Jahrzehnten auch im italienischen Tirol dazu gelangte, dem Archivwesen größere Aufmerk­samkeit zu schenken und es darf behauptet werden, daß das Beispiel im •deutschen Landesteile, wie z. B. die Arbeiten eines Dr. H. v. Yoltelini 15*

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