Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 8. (Dritte Folge, 1914)

Major Paldus: Zwischen Elbe und Riesengebirge. Die Kämpfe der 2. leichten Division in Böhmen 1813

Zwischen Elbe und Riesengebirge. 91 des 5. Jägerbataillons vom Friedhof noch rechtzeitig herbei­eilten. An die Stelle der letzteren trat die 5. Kompagnie vom Gemeindeberg. Gelegenheit zu besonderer Auszeichnung bot sich dem Oberjäger Schösse 1, den sein Kompagniekommandant, als er vom Friedhof zur Besetzung der Höhe bei Klein-Hirndorf vorgerückt war, zur Deckung der rechten Flanke und des Kückens mit einem Zug auf der Straße nach Pankraz bis zu dem nach Schloß Lämberg abzweigenden Wege entsandte. Er kam gerade zurecht, um dem vordringenden Feinde die Spitze zu bieten und während dreier Stunden, bis zum Einlangen des Rückzugsbefehles, alle Anstrengungen des Angreifers vergeb­lich zu machen 1). Ob es sich bei diesem Kampf um eine weit ') „Als am 19. August der Feind mit überlegenen Kräften den Paß bei Gabel forcierte, erhielt die 6. Kompagnie des 5. Jägerbataillons unter dem Kommando des Hptm. Adam Moor vom GFWM. Grafen N e i p- perg den Befehl, die vom Grafenstein über das Gebirge in die rechte Flanke der eigenen Aufstellung bei Gabel führende Straße und Schluchten auf das hartnäckigste zu verteidigen. Der Oberjäger Karl Schössel dieser Kompagnie erhielt den Auftrag, mit einem Zuge Jäger sich des in die rechte Flanke der Kompagnie führenden Weges nach Schloß Lämberg zu bemeistern, ihn zu halten, um den Feind zu hindern, in Flanke und Rücken der Stellung zu gelangen und so Gabel früher zu erreichen, als dies den zurückweichenden eigenen Truppen möglich war. „Im Anmarsche gegen seine zugewiesene Stellung fand der Ober­jäger die Wegmündung bereits vom Feinde besetzt. Derselbe war soeben im Begriffe, die Höhen zu gewinnen, von wo er nicht nur eine Einsicht in die Aufstellung bei Gabel gewinnen mußte, sondern auch die Rück­wärtsbewegung der Truppe gefährden konnte. Ohne nur im geringsten von der Überlegenheit des Feindes Notiz zu nehmen, faßte er rasch den kühnen Entschluß, denselben mit dem Bajonett anzugreifen, um ihn entweder zu werfen oder in der Erfüllung seiner Pflicht zu sterben. Mit Ungestüm warf er sich mit seinen Jägern dem Feind entgegen, welcher den Paß zu räumen gezwungen wurde. Viele seiner Leute er­lagen den Kugeln und dem Bajonett der tapferen Angreifer. In einem dreistündigen ununterbrochenen Gewehrfeuer unternahm der Gegner dreimal den Sturm auf den von dem Oberjäger mit besonderer Ent­schlossenheit und seltener Tapferkeit hartnäckig verteidigten Paß. Es war dies die Straße, die von Grafenstein über den Spittelgrund nach Lämberg—Gabel führt. Trotz der Anstrengung des Feindes blieb derselbe im Besitze der kleinen tapferen Schar. Wiederholt versuchten feindliche Offiziere mit ihren Tirailleurs die Stellung zu umgehen, doch immer fielen sie und die kühnsten Leute unter den Kugeln der Jäger, die sich

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