Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz
94 Jacubenz. Curland1) gefunden habe — und Sie werden begreifen, daß ich eine große Sünde begienge, wenn ich mich über Prag beklagen wollte. Ist es Ihnen möglich, mir bald etwas Ausführliches zu schreiben, so werden Sie mich in hohem Grade glücklich machen. Ihre Worte sind mir immer die bedeutendsten von allen. Meiner hohen Achtung, meiner unbegrenzten Ergebenheit sind Sie zu gewiß, als daß es einer erneuerten Versicherung bedürfte. G e n t z. VIII. Prag, den 10. März 1807. Ihr überaus gütiges Schreiben, welches der Fürst Schön bürg mir mitbrachte, hat mir innige und herzliche Freude gemacht. Wenn gleich der Hauptinhalt nicht rosen- farben war, so mußte mich doch schon Ihr Andenken, Ihre fortdauernde gute Meinung von mir und die erneuerte Gewißheit, daß Sie nie aufhören, für das wahre Gute wirksam zu sein, entzücken. Die Lage der Dinge hat sich seit einigen Wochen wesentlich geändert. Nicht durch große militärische Kunst, blos durch Tapferkeit und beharrlichen Widerstand haben die Russen uns zu einem großen Resultat2), zu der Überzeugung, daß die Fortschritte Bonaparte’s doch irgendwo Grenzen finden, geführt. Obgleich meine wohl überlegte Meinung die ist, daß die Russen eben so wenig diesseits dieser Grenzen, als die Franzosen jenseits, große Dinge ausführen werden, so ließe sich doch so leicht nicht berechnen, was bei der außerordentlichen Entkräftung und Erschöpfung der französischen Armee, aus einer ferneren, an’) Die Herzogin Dorothea von Kurland die Witwe Peter Birons, eine geborene Gräfin M e d e m, wohnte seit 1798 mit ihren Töchtern in Prag und hielt dort offenes Haus. 2) Damit ist das hartnäckige Ringen der Russen in der Schlacht bei Eylau am 7. und 8. Februar 1807 gemeint. Wohl haben die Russen das Schlachtfeld behauptet, da jedoch Bennigsen nach der Schlacht den Rückzug auf Königsberg antrat, so nahmen die Franzosen den Sieg für sich in Anspruch.