Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gentz und Fasbender. 85 beseelen schien, der Charakter und die Talente einzelner Generale, der Anblick der Truppen und was ich sonst vom Morgen bis Abend über die allgemeine Stimmung und viele besondere Verhältnisse hörte, bis zum 10. Oktober immer noch einige Hoffnung. Diese verschwand aber gänzlich, als ich nach der unglücklichen Affaire von Saalfeld, die dem einzigen General1), den ich nicht bloß schätzte, sondern liebte und anbetete, das Leben kostete, den Herzog gänzlich den Kopf verlieren, eine grenzenlose Verkehrtheit in allen Maßregeln einkehren, die wichtigsten Personen der Armee bis zur höchsten Erbitterung unwillig und alles muthlos werden sah. Was ich am 11. und 12. Oktober in Weimar erlebt habe, werde ich nie vergessen, wenn auch der 14. Ok­tober nicht der entscheidendste und furchtbarste Tag in der ganzen neueren Geschichte geworden wäre. Ich reiste am 13ten mit der festen Überzeugung ab, daß die Preußische Armee geschlagen werden würde und müsste; ich hatte oft genug gesagt und geschrieben, daß bei der einmal obwaltenden Lage der Dinge eine einzige Hauptschlacht hinreichend sei, um Preussen zu Boden zu werfen; ich war also auf alles gefasst; nichtsdestoweniger ist das, was wirklich geschah, weit über meine Erwartungen und über die Erwartungen eines Jeden, Bonaparte selbst nicht ausgenommen, hinausgegangen. Ich war auf eine unglückliche Schlacht und einen traurigen Rückzug, auf den Verlust aller Preussischen Pro­vinzen jenseits der Elbe seit dem 11. Oktober2) völlig vor- *) *) Es ist dies der geist- und temperamentvolle Prinz Louis Ferdi­nand von Preußen, ein Neöe Friedri chs II.; geboren 1772, trat erfrüh- zeitig in die Armee und zeichnete sich 1793 hei der Belagerung von Mainz so sehr aus, daß ihn der König zun| Generalmajor ernannte. 1806 war er Kommandant der Avantgarde Hohenlohes: am 10. Oktober lagerte er bei Saalfeld, wo sein Korps, zirka 8000 Mann, von überlegenen feindlichen Kräften angegriffen und vernichtet wurde. Der Prinz verlor im Getümmel des Kampfes sein Leben. Louis Ferdinand war immer bestrebt, ein Bündnis Preußens mit Österreich gegen Frankreich herbeizuführen, hatte aber keinen Er­folg gegen die mächtigere Friedenspartei am Berliner Hofe. Gentz war mit dem Prinzen noch während seines Aufenthaltes in Berlin in nähere Berührung getreten und erfreute sich seiner Gunst. 2) Nach dem Gefechte bei Saalfeld unter Hohenlohe.

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