Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gentz und Fasbenden. 75 meldet und auseinandergesetzt habe, und besonders nach dem, was der Herr Gr. v. Starhemberg in seinen Depeschen darüber gesagt hat, jeder unangenehme Eindruck, den mein Projekt im Anfänge gemacht haben könnte, umsomehr aus­gelöscht sein wird. In jedem Falle ist dieses Projekt für mich von einem Erfolge gekrönt gewesen, der meine kühnsten Er­wartungen übertraf; und, ob ich mich gleich in London, wie sich von selbst verstand, nur als Beobachter und spekulativer Politiker zeigen konnte, und auch nicht von fern eine andere als diese Qualität affectierte, so darf ich mir doch schmeicheln, und hoffe es Euer Hochwohlgeboren zu seiner Zeit näher zu beweisen, daß mein Aufenthalt in England — bei der ganz außerordentlichen Aufnahme die ich dort fand — für das allgemeine Beste und für das Interesse des Staates, dem ich gern alle meine Kräfte forthin widmen möchte, nicht ganz verloren gewesen ist. Ich habe während der Zeit die ich in England zu­brachte, auch die Antwort des Königs von Preussen auf mein Demissionsgesuch erhalten; und sie war, welches mir zur großen Satisfaktion gereicht, nicht blos in anständigen, sondern sogar in ehrenvollen Ausdrücken abgefasst. Von dieser Seite bin ich also jetzt völlig frei; da ich aber Berlin nicht wieder berühren will und dennoch, ehe ich mich aus den dortigen Verhältnissen ganz losreiße, notwendig verschiedene Privatangelegenheiten, und namentlich Geldgeschäfte, regu­lieren muß, so bleibt mir nichts übrig, als den Umweg über Dresden zu nehmen, wohin ich denjenigen aus Berlin, mit welchem ich diese Sachen abzumachen denke, beschieden habe. Ich werde also vor dem Anfänge künftigen Monats nicht in Wien eintreffen können und habe dieses auch dem Herrn Grafen von Cobenzl heute gemeldet. Ich darf Ihnen nicht sagen, wie sehr ich mich freue, Sie wiederzusehen. Die ausgezeichnete Güte, das ehrenvolle Vertrauen, die lebhafte Teilnahme, womit Sie mich bei meiner ersten Anwesenheit in Wien behandelten, kömmt nicht aus meinem Gedächtnis; und wenn etwas in der Welt mir Muth und Freudigkeit für die Zukunft einflößt, so ist es der Ge­danke, daß Sie mich fortdauernd Ihrer Protektion und Ihrer Freundschaft würdigen werden.

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