Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

230 W achtel. Ziele zu stecken, um die jedem Teile innewohnende Kraft zur Betätigung zu bringen und so die Wirkung aller Kräfte zum Gesamterfolg zu summieren. In diesem Sinne hätte die Division Jellacic nebst ihrem defensiven Aufträge auch die bestimmte Aufgabe erhalten können, durch offensive Vorstöße einen möglichst großen Teil des Gegners an sich zu fesseln. Wohl hätte man bei solchen Vorstößen, wie stets bei aktivem Handeln, die Möglichkeit stellenweiser Mißerfolge mit in Kauf nehmen müssen; die Befehle hätten nicht, wie sie es taten, das Vermeiden jedes Echecs betonen dürfen, um nicht von Haus aus die Tätigkeit lähmend zu beeinflussen. Ein weiterer Vorwurf richtet sich gegen ein Säumen mit dem Aufbruch von Radstadt und einen zu langsamen Rückmarsch1). Bezüglich des Aufbruches zeigte die Darstellung der Ereignisse, daß das Divisionskommando und die Truppen das möglichste zu dessen Beschleunigung getan haben2). Wenn sich daher trotzdem der Aufbruch aus Radstadt verzögerte, so lag der Grund hiefür, wie nachgewiesen, einzig in der ungünstigen Witterung3). Von einer Langsamkeit des Rückmarsches kann wohl überhaupt nicht gesprochen werden. Aus der Nächtigungssituation vom 19. auf den 20. Mai bis zum Gefechtsfeld bei St. Michael hinterlegten die Divi­sionen Ser as und Durutte 180 hm, also während 4Vs Tagen durchschnittlich täglich 40 hm. Dabei war der Armeekommandant Vizekönig Eugen nur von dem einen Gedanken beseelt, dem Befehl Napoleons zum raschesten Eintreffen in Bruck a. d. Mur mit größtmöglicher Beschleunigung nachzukommen4) und hatt9 daher die Kräfte *) *) Schneidawind, Krieg 1809, II, 258, und Prinz Eugen, 81: „— — — Jellacic Zug durch das Ennstal geschah langsam und sorgenlos.” Ähnlich Schnei dawind, Erzherzog Johann, 186. 2) Vergl. Seite 178, Anmerkung 1 und Seite 180, Anmerkung 4. a) Yergl. Seite 180. 4) Dies zeigen deutlich die Briefe Eugens an Napoleon und an seihe Gemahlin aus diesen Tagen (duCasse, V, 217, 219, 220, 221, 228, 231).

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