Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

208 Wachtel. Die starke Böschung des Rideaus dürfte jene Wirkung ausgeübt haben, die so oft Steilhänge in Kämpfen mit Feuer­waffen hatten: dem Angreifer erleichterte sie das Unterlaufen des feindlichen Feuers; dem Verteidiger aber, an dessen dominierende Stellung der Gegner sich stundenlang nicht herantraute, hatte sie ein gewisses Sicherheitsgefühl eingeflößt, so daß er völlig verblüfft wurde, als er plötzlich den Gegner doch oben vor sich sah. Gleich als die erste französische Linie das Rideau erklomm, gerieten die Österreicher ins Wanken. Zuerst wurde ihr Zentrum durchbrochen1); denn hier standen die beiden Rekrutenbataillone Reuß-Greitz und Erzherzog Karl und gerade hier griffen auch die unmittelbar hinter dem 1. franzö­sischen Treffen auf die Platte gesprengten zwei Regimenter Jäger zu Pferd ein. Ihre Attacken brachten das weichende Zentrum zu voller Flucht, der sich nun auch der österreichische linke Flügel anschloß. Der ganze Angriff soll hier in zehn Minuten entschieden gewesen sein2). Nach gelungenem Durchbruch des Zentrums wandte sich BG. V alentin mit Teilen des französischen und Gefechte des Jellacicschen Korps (K. A., F. A. 1809, 6. Korps, XIII, 128) setzt den Angriff auf 4 Uhr nachm, und das Eintreffen Jellació mit den Flüchtenden in Bruck auf 10 Uhr nachts an. Erzher­zog J o h a n n s Memoiren (Z w i e d i n e c k, St. Michael, 46) nennen als Angriffsstunde B Uhr nachm. E u g e n an N a p I e o n, St. Michael, 25. Mai 1809 (du C a s s e, V, 230) setzt den Angriff auf „2 Uhr”, Originaljournal, 25. Mai, auf „6 Uhr” an ; beide Quellen haben Grund, den Zeitpunkt in ihrem Sinne zu verschieben. ') Oie Behauptung Sallinger, Graz, 1809, 65, ein überraschender Flankenstoß der Division Durutte hätte die Entscheidung gebracht, ist nach dem Geschilderten irrig. 21 Ettinghausens Selbsthiographie (Z wiedineck, St. Michael, 33). Dem gegenüber und den ganzen Zeitverhältnissen nach erscheint die Angabe Originaljournal 25. Mai, der Rückzug sei erst „nach langer Gegenwehr” angetreten worden, irrig. Die Erzählung der „Geschichte der Kriege in Europa seit 1792”, VIII, 199, von wiederholten Angriffen der Franzosen durch mehrere Stunden gegen die Stellung des FML. J ellacic kann sich höchstens auf die Kämpfe am Fresen- herg beziehen. Völlig irrig ist die Angabe in Stutterheim, II, 181, die Österreicher hätten ihre Stellung bis 7 Uhr abends behauptet; um diese Zeit hatte S e r a s schon Leoben erreicht.

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