Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel
Die Division Jellacic im Mai 1809. 199 Ferner verengen die steilen Südausläufer des Eichberges unmittelbar hinter St. Michael das linke Murtal zu einem Defile, durch das die Straße nach Leoben führt *). Die Anmarschstraße der Division Jellacic läuft von Madstein, 4 hm vor St. Michael, westlich der Liesing und mündet 400 m vor diesem Orte in die große Straße Judenburg, Leoben, die bei Brunn das Rideau ersteigt und bei St. Michael die Liesing übersetzt. Nach 8 Uhr früh näherten sich J ellacic und Ettinghausen unmittelbar hinter der Patrouille von O’Reilly der Sti'aßengabel nordwestlich St. Michael2). Hier schon stießen sie auf eine feindliche Patrouille; bald darauf sahen sie auch eine stärkere Abteilung, die Vorhut der Division Seras, bei Brunn das Rideau ersteigen. Nun war ein kampfloses Vorbeikommen bei St. Michael ausgeschlossen; ein Zurückgehen nach Mautern scheint Jellacic gar nicht in Betracht gezogen zu haben. Vor seinen Augen wandten sich, ungefähr entlang der Kohlstraße, zuerst die s/i Eskadronen O’Reilly, dann das halbe Vorhutbataillon gegen den von Brunn kommenden Feind. Etwa halbwegs zwischen den Straßen Mautern, St. Michael und Judenburg, St. Michael dürfte es vor 9 Uhr vorm, zum ersten Zusammenstoß gekommen sein3). Die zweite Hälfte des Vorhutbataillons4) sandte Jellacié *) Vaudoncourt, I, 304. 2) Kammern—St. Michael 14 7cm; um 4 Uhr 30 Min. früh aufgebrochen und eine halbe Stunde aufgehalten, dürfte die Vorhut gegen 8 Uhr 30 Min. früh sich St. Michael genähert haben; J ellacic war ihr etwas voraus. 3) Eugen an Napoleon, St. Michael, 25. Mai 1909 (du C a s s e V, 228), de Lab or de, 222, und Vignolle, IV, 1371, sagen 9 Uhr vormittags. Die Angabe des Operationsjoumals 25. Mai, „mittags” ist nach Aufbruchzeiten und Distanzverhältnissen entschieden irrig; desgleichen jene in den Aufzeichnungen des damaligen St. Michael er Pfarrers Lachmayr (Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark, XXIII, 70) „61/* Uhr früh”. 4) Daher wahrscheinlich die Behauptung des Originaljoumals 25. Mai, bei der Vorhut wäre nur ein halbes Bataillon Warasdin- Kreuzer gewesen, was den Angaben des GM. Ettinghausen, eines Augenzeugen, widerspricht.