Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

194 W achtel. Aber auch über diesen Weg beträgt die Gesamtstrecke Mautern, Graz noch 90 lim. Jellacic sah sich daher vor eine unerfüllbare Aufgabe gestellt. In der Erregung hierüber beschloß er seinen Generalstabschef Hauptmann de Lort sogleich mit einem Antwortbericht zum Erzherzog zu senden, damit er diesem mündlich die bisherigen Leistungen und den Zustand der Division schildere. In dem Berichtx) weist Jellacic unter anderem darauf hin, daß die Beschuhung seiner Truppen sehr gelitten habe, einzelne Leute sogar barfuß gingen2). Von einer etwaigen Erschwerung des Rückzugs durch den von Süden kommenden Gegner ist nichts erwähnt. Dies und die Absendung des Generalstabschefs beweist, daß Jellacic zurZeit dessen Abgehens, gegen 5 Uhr 45 Min. nachm.8), noch nichts von der Nähe der italienischen Armee wußte4). Ja, die Befürchtung des Erzherzogs, er werde sich vielleicht nicht ein­mal bis 26. in Graz halten können, mußte Jellacic darin bestärken, daß das Gros dieser Armee dem Erzherzog folge. Nach dem Abgehen Hauptmann de Lorts traf um 6 Uhr abends 5) die Meldung des 1. Judenburger Landwehr­bataillons ein, der Feind sei mit 400 bis 600 Mann Infanterie und 200 Reitern am 23. nachmittags von Unzmarkt gegen Judenburg vorgegangen und habe das Bataillon gezwungen, nach Knittelfeld zu weichen6). *) *) Im Wortlaut Anhang XXVII. 2) Kerpen an Erzherzog Johann, Graz, 21. Mai 1809 (K. A., E. A. 1809, Italien, V, 217), erwähnt damals bereits eine an ihn gerichtete Forderung des FML. Jellacic nach je 1000 Paar deutschen und ungarischen Schuhen, die er nicht erfüllen könne. 3) Datum des Berichtes: „V2O Uhr nachm.”. 4) Der 2. Generalstabsoffizier, Oberleutnant Rothkirch, ritt am 25. Mai früh zur Ausmittlung des Lagers nach Leoben voraus (Ettinghausens Selbstbiographie in Z w i e d i n e c k, St. Michael, 29. Jeder Armeekörper entsandte damals vor Marschantritt General­stabsoffiziere mit „Lageraussteckem” der Truppen an das Marschziel voraus). Dies Voraussenden Eothkirchs zeigt, daß Jellacic auch noch am Morgen des 25. nicht recht an ein ernsteres Gefecht an diesem Tage glaubte. Jellacic blieb dadurch ohne jeden Stab. 5) Originaljoumal, 24. Mai. 6) Vergl. Seite 189. Judenburg—Knittelfeld 16 hm, Knittelfeld— St. Michael 24 l;m.

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